
Mit dem Symposium „Photobook 2026" in der Staatsbibliothek zu Berlin und dem Abend „DGPh x Fotografiska" hat die Deutsche Gesellschaft für Photographie am 19. September 2026 ihr Jubiläumsjahr in der Hauptstadt gefeiert. Am Abend standen das Panel „Photography Today — Tomorrow?" und ein Photo Slam mit den Ergebnissen des Open Calls „Tomorrow Will Be Yesterday" auf dem Programm. Rund 240 Gäste folgten der Einladung: 100 am Vormittag in der Staatsbibliothek, 140 am Abend bei Fotografiska Berlin.
Ruediger Glatz, Vorsitzender des geschäftsführenden Vorstands der DGPh, hat beide Veranstaltungen konzipiert, gemeinsam mit den Partnern organisiert und beide Podien moderiert. Der Tag stellte zwei Pole nebeneinander. Am Morgen ging es um das Fotobuch als materiellste und beständigste Form der Fotografie. Am Abend ging es um ein Medium, dessen Grenzen sich durch digitale Bildproduktion und KI gerade neu verschieben.
Photobook 2026: Das Fotobuch unter wirtschaftlichem Druck
Im Humboldt-Saal der Staatsbibliothek Unter den Linden eröffnete Generaldirektor Prof. Dr. Achim Bonte den Tag. Unter den Gästen waren DGPh-Ehrenmitglied Marlene Schnelle-Schneyder und Manfred Heiting, Mäzen der DGPh und einer der international bedeutendsten Sammler und Kenner des Fotobuchs.
Gerhard Steidl zog eine offene, oft selbstironische Bilanz des Marktes. Die Produktionskosten steigen, die Auflagen sinken, und der Anspruch an Papier, Druck und Bindung macht jedes ambitionierte Buch zum Kraftakt. Seine Investitionen in neue Drucktechnik wären nach eigener Aussage ohne Manfred Heitings Unterstützung nicht möglich gewesen. Sein Resümee: „Für ein gutes Fotobuch pleite zu gehen, ist keine Schande."
Die weiteren Beiträge:
- Markus Schaden (The PhotoBookMuseum) ordnete die internationale Szene ein.
- Helmut Völter sprach über Buchgestaltung.
- Nikita Teryoshin zeigte die Chancen des Selfpublishings.
- Miriam Zlobinski stellte die Berlin Summer School of Photography vor, die fotografische Praxis mit Archiv und Vermittlung verbindet.
In der Abschlussrunde diskutierten Thomas Gust, Nadine Barth, Helmut Völter, Nikita Teryoshin und Markus Schaden, moderiert von Ruediger Glatz. Das Ergebnis: Der Markt steckt in der Krise, das Medium nicht. Produktion, Vertrieb und Publikum verändern sich, doch die physische Dauerhaftigkeit bleibt die eigentliche Stärke des Fotobuchs.
DGPh x Fotografiska: Panel „Photography Today — Tomorrow?"
Am Abend setzte die DGPh den Jubiläumstag gemeinsam mit Fotografiska Berlin im Ballroom fort. Das englischsprachige Panel „Photography Today — Tomorrow?" widmete sich der Gegenwart und nahen Zukunft des Mediums. Ruediger Glatz, Vorsitzender der DGPh, Künstler und Unternehmer, moderierte das Gespräch. Auf dem Podium saßen:
- Claire Ducresson-Boët, Exhibitions Manager, Fotografiska Berlin
- die Fotografin Verena Brüning (DGPh)
- der Künstler Boris Eldagsen (DGPh)
- Valentin Gienger (DGPh), Leica Camera AG
Sie diskutierten, was neue Technologien und Bildformen für Autorschaft, Erinnerung, Institutionen und Markt bedeuten. Boris Eldagsen hatte 2023 mit der Ablehnung des Sony World Photography Award die weltweite Debatte um KI-generierte Bilder ausgelöst. Mit ihm saß eine der prägendsten Stimmen dieser Debatte auf dem Podium. Das Gespräch machte deutlich, dass es längst nicht mehr um Technik geht, sondern um das Selbstverständnis der Fotografie.
Photo Slam: Die Ergebnisse des Open Calls „Tomorrow Will Be Yesterday"
Zum Abschluss des Abends präsentierten DGPh und Fotografiska Berlin im Photo Slam die Ergebnisse ihres gemeinsamen weltweiten Open Calls „Tomorrow Will Be Yesterday". Der Call fragte, welche heute entstehenden Fotografien in fünf oder zehn Jahren als Dokumente unserer Gegenwart gelesen werden könnten. Gesucht war keine Science-Fiction, sondern Serien über Übergang und Wandel. Rund 200 Serien aus aller Welt wurden eingereicht.
Die international besetzte Jury wählte daraus zwölf Positionen aus. Ihr gehörten an:
- Kathy Ryan, vormals Director of Photography des New York Times Magazine und Trägerin des Dr.-Erich-Salomon-Preises der DGPh
- Claire Ducresson-Boët
- Wolfgang Zurborn
- Thomas Gerwers
- Ralph Baiker
Thomas Gerwers führte für die Jury mit einleitenden Worten in den Slam ein. Wolfgang Zurborn hatte die Serien zu einer durchgehenden, von Musik begleiteten Slideshow auf der großen LED-Wand des Ballrooms sequenziert. Im Mittelpunkt standen nicht zwölf Gewinner, sondern eine gemeinsame visuelle Erzählung aus zwölf Antworten auf dieselbe Frage.
Die zwölf jurierten Positionen:
Ingeborg Everaerd (NL) — »At Sea I Dream of Land, On Land I Dream of Sea«
Jana Islinger (D) — »Unter demselben Himmel«
Natalia Kepesz (PL/D) — »Niewybuch«
Simen Lambrecht (BE/D) — »82c9940_the Art of Living Twice«
Barkat Mehra (UK) — »Underwood«
Jasmina Mirasevic (D) — »Skin Deep«
Nora Obergeschwandner (AT) — »image and subject«
Briar Pine (USA) — »Camouflaged«
Oliver Raschka (D) — »Tween«
Carlo Rusca (CH) — »248-CH«
Valerie Schmidt (D) — »Schemen uns ähnlicher Wesen und ihr ungeordnetes Pläsier«
Thomas Wrede (D) — »WHITE WAS THE SNOW«
Fazit
„Wir sind sehr glücklich über diesen Tag", sagt Ruediger Glatz. „Morgens das Buch als Gedächtnis der Fotografie, abends die Frage, was aus ihr wird. Dass 240 Menschen beide Seiten mit uns diskutiert haben, zeigt, wie sehr diese Fragen die Szene bewegen. Beide Veranstaltungen waren eine wunderbare Leistungsschau des DGPh-Netzwerks. Genau diese Rolle will die DGPh in ihrem 75. Jahr einnehmen."
Die DGPh dankt der Staatsbibliothek zu Berlin, Fotografiska Berlin, allen Referentinnen und Referenten, der Jury sowie den teilnehmenden Fotografinnen und Fotografen.





