Die Deutsche Gesellschaft für Photographie trauert um David Hockney, der am 11. Juni 2026 im Alter von 88 Jahren in London verstorben ist. Mit ihm verliert die Kunstwelt einen ihrer einflussreichsten Maler – und die Fotografie einen ihrer produktivsten Zweifler, klügsten Befrager und leidenschaftlichsten Erneuerer. Die DGPh verliert zugleich einen ihrer herausragenden Preisträger: 1997 wurde David Hockney mit dem Kulturpreis, der höchsten Auszeichnung unserer Gesellschaft, geehrt – verliehen im Museum Ludwig in Köln.

1937 in Bradford geboren, ausgebildet am Royal College of Art in London, wurde Hockney früh zu einer prägenden Figur der britischen Nachkriegskunst. Seine kalifornischen Pool-Bilder, allen voran „A Bigger Splash", gehören zum kollektiven Bildgedächtnis des 20. Jahrhunderts. Doch wer Hockney allein als Maler liest, übersieht, wie tief sein Werk mit der Fotografie verflochten war – als Werkzeug, als Gegenstand und als Reibungsfläche.

Anfang der 1980er Jahre entstanden seine „Joiners": Collagen aus Dutzenden, manchmal Hunderten von Polaroids und Kleinbildabzügen, die ein Motiv aus vielen Blickpunkten und Zeitmomenten zugleich zeigen. Arbeiten wie „Pearblossom Highway" (1986) sprengten die Konvention des einen Augenblicks und der einen Perspektive – und führten zugleich vor, was Hockney an der Kamera grundsätzlich störte: ihren zyklopischen Blick, ihr eingefrorenes Jetzt. Seine Kritik an der Fotografie war nie Ablehnung, sondern produktive Auseinandersetzung. Kaum ein Künstler hat das Medium so ernst genommen wie der, der ihm am hartnäckigsten widersprach. Es war diese einzigartige Position – die eines Malers, der die Fotografie von innen heraus neu dachte –, die die DGPh 1997 mit dem Kulturpreis würdigte. Hockney reiht sich damit in eine Linie von Preisträgerinnen und Preisträgern ein, zu der unter anderen August Sander, Man Ray, Gisèle Freund sowie Bernd und Hilla Becher zählen.

Mit „Secret Knowledge" (2001) legte Hockney wenige Jahre nach der Auszeichnung eine ebenso umstrittene wie folgenreiche These vor: dass die Meister der europäischen Malerei seit der Frühen Neuzeit optische Hilfsmittel – Spiegel, Linsen, Camera obscura – nutzten. Ob man ihm darin folgte oder nicht: Er hat die Geschichte des Sehens und die Vorgeschichte der Fotografie neu zur Diskussion gestellt und Kunstgeschichte, Optik und Bildwissenschaft in ein Gespräch gezwungen, das bis heute andauert.

Seine Neugier auf bildgebende Technik blieb ungebrochen. Hockney zeichnete auf iPhone und iPad, lange bevor dies künstlerisch ernst genommen wurde, montierte in seinen späten „photographic drawings" digitale Aufnahmen zu vielperspektivischen Tableaus und bewies bis zuletzt – etwa mit den in der Normandie entstandenen Frühlingsbildern –, dass das Sehen selbst sein eigentliches Lebensthema war.

David Hockney hat die Fotografie herausgefordert, erweitert und bereichert wie wenige Künstler seiner Generation. Sein Werk erinnert uns daran, dass jedes Bild eine Behauptung über das Sehen ist – und dass es sich lohnt, dieser Behauptung zu misstrauen, um besser zu sehen. Im Jahr unseres 75-jährigen Bestehens nehmen wir Abschied von einem Künstler, dessen Name in der Geschichte unserer Gesellschaft einen festen Platz hat.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und Weggefährten.

Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V. 
Ruediger Glatz, Vorsitzender

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