Porträt Dr. phil. Martin Morgenstern. © Carla van de Puttelaar
Porträt Dr. phil. Martin Morgenstern. © Carla van de Puttelaar

Martin Morgenstern studierte Musikwissenschaften in Weimar und am Royal Holloway College (University of London). 2009 Promotion. Arbeitet frei v.a. als Musikkritiker, Redakteur und Pressereferent. 2015 Gründung und Projektleitung PORTRAITS – Hellerau Photography Award (www.portraits-hellerau.com). Seit 2015 Organisation und Durchführung von Gruppen- und Einzelausstellungen in Dresden und Hellerau in Zusammenarbeit mit verschiedenen Ausstellungsräumen und Galerien. Publikation verschiedener Bücher und Kataloge im Bereich Musik und Fotografie im Verlag der Kunstagentur Dresden (www.kadd.de). Einzel- und Gruppenausstellungen (Fotografie, Bildende Kunst) in Dresden, Colditz, Weimar, Hannover. 2019 Berufung als ordentliches Mitglied in die Deutsche Gesellschaft für Photographie. 2020 Denkzeit-Stipendium des Freistaates Sachsen. Ab 2020 Mitarbeit im Drittmittelprojekt "Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen" an der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. 2021-2022 Dozent an der macromedia hochschule Leipzig (Fakultät Medienmanagement).

Fünf Fragen an Dr. phil. Martin Morgenstern:

1. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Als Musikkritiker und Korrespondent der ddp, später der dpa, habe ich neben meinen Texten hin und wieder auch mal Fotos abgeliefert. Mein Porträt des Komponisten Hans Werner Henze, aufgenommen 44 Tage vor seinem Tod in Dresden, war einigen Nachrufen Henzes beigegeben. Danach habe ich jahrelang nebenbei an einer größeren Serie gearbeitet, den "Henze-Sakramenten", die letztes Jahr von der Deutschen Fotothek angekauft wurde. Es war eigentlich das Nachdenken über das wie und warum von Fotografie, das bei mir sozusagen irgendwann praktisch wurde. Inzwischen verlege ich selbst nebenbei Fotobücher, u.a. von Stefan Krauth, Stefanie Minzenmay, Francesca Cesari oder Luc Saalfeld.

2. Welcher Bereich der Fotografie ist aktuell am wichtigsten für Sie?

Im Bereich der zeitgenössischen Porträtfotografie lerne ich jedes Jahr im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs, den ich 2015 mit dem Intendanten von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Dieter Jaenicke, gegründet habe (www.portraits-hellerau.com), mehrere hundert neue Namen aus aller Welt kennen. Toll!

3. Welches fotografische Projekt würden Sie in Zukunft gerne umsetzen?

In seinem Buch „TUVA OR BUST!“ beschrieb der Amerikaner Ralph Leighton die fixe Idee, die ihm 1977 am Abendbrottisch des Physikers Richard Feynman kam: gemeinsam das Land Tuva zu bereisen, die Hauptstadt Kyzyl zu erreichen („A place that’s spelled K-Y-Z-Y-L has just got to be interesting.“) Die Reise in die damalige Tuwinische ASSR kam jedoch nie zustande, da Richard Feynman einige Monate vor der geplanten Abreise starb. In der Republik Tuwa hat eine altertümliche Form des Kehlkopfgesangs überlebt, der so genannte Untertongesang, der mich als Musikwissenschaftler interessiert. Mein Ziel ist es, bis 2027 nach Kysyl zu reisen und meine Eindrücke in einem Mixed-Media-Projekt festzuhalten, das an die Pläne von Ralph Leighton und Richard Feynman anknüpft und fünfzig Jahre später die Brücke in die Gegenwart schlägt.

4. Nennen Sie uns zwei bis drei Fotobücher oder fotografische Arbeiten, die Sie besonders beeindruckt haben.

Momentan schaue ich mich durch fotografische "Nebenwerke" von Autoren oder Malern:
Wally Elenbaas & Esther Hartog: "Foto's" (nai010)
"SchauLust – Die erotische Fotografie von Alfons Walde" (Haymon)
"SchwarzWeißAufnahme - Fotografien von Arno und Alice Schmidt aus drei Jahrzehnten" (Suhrkamp)

Weitere Bücher, v.a. Ausstellungskataloge, die ihm viel bedeuten:
"Das Porträt. Fotografie als Bühne" (Verlag für moderne Kunst Nürnberg)
Susan Bright (Hrsg.) "Home Truths. Photography and Motherhood" (Art/Books)
Bertram Kaschek (Hrsg.) "Christian Borchert. Tektonik der Erinnerung" (Spector)
William A. Ewing (Hrsg.) "Das Jahrhundert des Körpers. Figürliches Fotografieren" (E.A.Seemann)
Klaus Honnef, Gabriele Honnef-Harling (Hrsg.) "Von Körpern und anderen Dingen. Deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert" (Edition Braus)
Jocelyn Lee "nowhere but here" (Steidl)
Gu Zheng (Hrsg.) "Contemporary Chinese Photography" (Cypi)

5. Welche historische Persönlichkeit der Fotogeschichte hätten Sie gerne kennen gelernt?

Ich hätte sehr gern Elli Seraidari ("Nelly") bei ihren Ausflügen in die Sächsische Schweiz begleitet, bei denen sie Tänzerinnen der Mary-Wigman-Schule fotografierte.

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