Aktuelle Bücher im Juli 2018

Heike Steinweg (DGPh)
Frauen im Exil

128 Seiten, 33 farbige Abbildungen
E.A. Seemann Henschel
ISBN 978-3-86502-403-9; 24,95 Euro

Seit 2015 porträtiert Heike Steinweg Frauen, die in Berlin im Exil leben. Sie sind nicht nur vor Krieg, sondern auch vor Geschlechterdiskriminierung in ihrer Heimat geflohen. Sie haben die verschiedensten kulturellen, regionalen und sozialen Hintergründe. Gemeinsam sind ihnen jedoch der Mut und der Wille, neu zu beginnen. Gerade Frauen spielen bei Migrationsbewegungen eine zentrale Rolle, weil sie hier Verantwortung übernehmen, die ihnen vorher versagt war. Die Photographin zeigt Menschen, die die Entscheidung getroffen haben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich eine neue Existenz aufzubauen. Sie verleiht ihnen eine Präsenz, in der ihre Würde und Individualität sichtbar wird. Die Porträts werden von persönlichen Texten der Frauen begleitet: kurze Gedanken, biografische Berichte und literarische Texte.

 

Wim Cox (DGPh)
Waldschatten

96 Seiten, 75 Abbildungen  
Verlag Kettler
ISBN:  978-3-86206-705-3; 28 Euro

Mit Mitteln der Abstraktion fängt der Photograph Wim Cox die von ihm wahrgenommene Natur ein. Ausschnitthaft erfasst er Details von Baumrinden, die von partiellen Schatten überlagert werden. Den Naturaufnahmen stellt Cox mal poetische, mal heitere, dann wieder intime oder dramatische Textpassagen gegenüber und schafft so empfindsame, feinfühlige Kompositionen.

 

 

André Lützen (DGPh)
Up-river Book

124 Seiten, 58 Farbphotos, 6 Zeichnungen SW, Englisch
Peperoni Books
ISBN: 978-3-941249-17-2; 38 Euro

Zwei Mal hat André Lützen den Kongo besucht, ist auf einem Patrouillenboot der UN den Kongo River hinaufgefahren und hat photographiert, an Bord und an Land. Die Route deckt sich in großen Teilen mit der, die Joseph Conrad 1890 als Offizier an Bord der ›S.S. Roi des Belges‹ zurückgelegt hat. Und wie Conrad, der nach nur sechs Monaten desillusioniert den Dienst quittierte, hat André Lützen die Reise auf dem Fluss als Trip ins ›Herz der Finsternis‹ erlebt. Klima, Flora, Fauna, der Fluss, provisorische Behausungen, rastlose, suchende Menschen, Unrat und Dreck – alles fremd, bedrohlich, gefährlich. Dunkelheit, tiefe Schatten, flirrende Hitze, stahlkalte Nacht und ein Gefühl latenter Gewalt durchziehen das Buch, in dem Photographien, Zeichnungen und Makroaufnahmen der Netzhaut sich zu einem Fiebertraum verbinden. Nur aufwachen kann man nicht, wir sind in der Wirklichkeit. Das Buch schließt mit Auszügen aus Joseph Conrads nautischem Tagebuch ›Up-river Book‹, das präzise und nüchtern den Verlauf des Flusses aus der Bootsperspektive beschreibt.

 

Oliver Wainwright
Inside North Korea

240 Seiten
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-7221-7: 40 Euro

In Nordkorea gehen die Uhren anders; Väterchen Stalin persönlich hat sie noch aufgezogen. Während sich moderne Gröfaze auf Trollfabriken, Twitter, Trophy Wives, hoch dotierte Imageberater und ihre Milliardärs- und Oligarchenfreunde stützen, setzt die Kim-Dynastie vor allem auf die klassischen Gestaltungselemente eines Old-School-Gruselstaates: Ornamente gleichgeschalteter Massen, totale Überwachung, Personenkult, Straflager, Wunderwaffen, rhythmisches Klatschen und freudig gelebter Konsumverzicht. Im Koreakrieg weitgehend zerstört, wird die Hauptstadt Pjöngjang seit 1953 von den Kims als Hauptbühne ihrer großen Inszenierung über Macht und Wahn neu gestaltet, „national in Form und sozialistisch im Inhalt“. Die wuchtige Herrschaftsarchitektur vergangener Jahrzehnte, Großmonumente, gigantische Granit- und Bronzeskulpturen, Triumphbögen, neoklassizistische Monumentalbauten und riesige Mosaiken zur Verherrlichung des Staatsgründers, wird heute abgelöst durch Anstrengungen, Pjöngjang in eine hypermoderne, bonbonfarbene Scifi-Stadt zu verwandeln, deren futuristische Wolkenkratzer von einer Zuckerglasur bunter Freizeit- und Vergnügungseinrichtungen mit Achterbahnen, Skateparks, Minigolf, Schwimmbad und 4-D-Kino umspült werden. Oliver Wainwright, Journalist und Photograph des Guardian, nimmt uns mit auf eine Reise in ein Land, das wie aus der Zeit gefallen erscheint und sich vom Rest der Welt weitgehend abgeschottet hat. Seine Photographien nordkoreanischer Architekturen werfen ein Schlaglicht auf die Ambitionen des herrschenden Regimes, „das ganze Land in ein sozialistisches Märchenland zu verwandeln“. Der Band enthält über 200 Abbildungen mit detaillierten Bildunterschriften und einen einleitenden Essay des Photographen, in dem er die Geschichte des modernen Pjöngjang skizziert und die von Kim Il-sung, dem ersten Präsidenten Nordkoreas, entwickelte Chuch’e-Ideologie erläutert, der in Pjöngjang ein ganzer Skulpturenpark gewidmet ist. (vZ)

 

Shane Lavalette
Still (Noon)

156 Seiten, 79 Farbabbildungen, Englisch
Edition Patrick Frey
ISBN: 978-3-906803-65-4; 78 Euro

In Shane Lavalettes Bildern passiert etwas, das wir nicht gewohnt sind: Wir sehen unseren Alltag, diese Nebensache. Schweizerinnen und Schweizer sehen noch etwas, das sie noch viel weniger gewohnt sind: Durch fremde Augen entdecken wir die feine Spur Poesie, die ihren Alltag durchzieht. Die weichen Grashalme der Acker-Trespe. Rot blühender Klatschmohn. Giebeldächer in der Ferne. Lauter Nebensachen, die in ihrer Ganzheit aber etwas Abstraktes bilden, das wir Heimat nennen. Diese Heimat, mehr Gefühl als Bild, sehen wir in Still (Noon). Deshalb regt sich etwas im Innern und lässt nicht los. Denn vertraut sind wir mit einem anderen Bildrepertoire, einem touristischen. Das Bergpanorama! Die Seen! Das Alpen-Edelweiss! Das Caquelon! Alles grossartige Dinge, aber sie sind nicht poetisch. Sie sind für die Fremdwahrnehmung bestimmt. Im Mai 2017 suchte der Amerikaner Shane Lavalette im Auftrag der Photostiftung Schweiz zwölf Gemeinden auf, um anhand dieser ein Land zu porträtieren.

 

Tom Jacobi
Into the Light

144 Seiten mit 70 Abbildungen
Hirmer-Verlag
ISBN: 978-3-7774-3184-0; 49,90 Euro

Im Jahr 2014 begann Tom Jacobi mit der Arbeit an seiner Trilogie „Awakening“. Teil 1 war das 2016 vorgelegte Werk „Grey Matters“, „Into the Light“ ist nun Teil 2 und versinnbildlicht ebenfalls - diesmal in wunderbaren Schwarzweiß-Aufnahmen -, dass wir, aus der Dunkelheit kommend, immer auch nach dem Licht streben. Dazu reisten die Jacobis, der Photograph Tom und die Autorin Katharina, fast zwei Jahre kreuz und quer durch die Welt und suchten erneut nach archaischen Landschaften, die entweder durch ihre Helligkeit dominieren oder sich in einzigartigen Momenten zum Licht öffnen. „Der Blick empor zur Sonne erfüllt uns mit der hellsten aller Farben: Weiß“, erläutert Tom Jacobi in seiner Einführung in sein Buch seine Intention. Denn die Farbe Weiß übt in ihrer Reinheit, ihrer gleißenden Helligkeit, Magie und Symbolik auf Menschen seit jeher eine große Anziehungskraft aus. Sie ist aus der Menschheitsgeschichte, aus Religionsrichtungen, Weltanschauungen und der Natur nicht wegzudenken: „Gott sprach: Es werde Licht“, so die Bibel. Bei den alten Ägyptern war Weiß die Farbe der Freude. Als „ein Kind der weißen Henne“ bezeichneten die Römer jemanden, der immer Glück hatte. Im Buddhismus ist die weiße Lotusblüte das Symbol der Erleuchtung. Und der antarktische Sommer zeigt eine der ergreifendsten Landschaften in Weiß. Fasziniert von der Macht der Farbe Weiß photographierte Tom Jacobi in allen Kontinenten atemberaubende Landschaften, die eine zeitlose Kraft entfalten und Raum zur Kontemplation bieten. Dazu verharrte der ehemalige Art Director des „Stern“ und vielfach gefeierte Photograph endlose Stunden mit seiner Kamera, um die Naturgestalt unseres Planeten genau in dem Augenblick festzuhalten, in dem sich das Universum in einem Licht- und Schattenspiel verhüllt. Und so zelebrieren Tom Jacobis  kraftvolle Landschaftsaufnahmen von zeitloser und unvergänglicher Schönheit die Farbe Weiß auf beeindruckende Weise: monumental, magisch, als das Gegenteil von Schwarz, als Licht gegenüber dem Nichts und dem Chaos. (vZ)

 

Anton Corbijn
The Living and the Dead

220 Seiten, 119 Farb- und Duotone-Tafeln
Schirmer/Mosel
ISBN: 9783829608343; 48 Euro

Das Hamburger Bucerius Kunst Forum widmet Anton Corbijn (geb. 1955), dem niederländischen Photographen und Filmemacher von Weltrang, im Sommer 2018 eine Ausstellung, die anhand seiner Arbeit an der Schnittstelle von freier und angewandter Photographie der Frage nachspüren will, wann Photographie Kunst wird. Im Mittelpunkt der Schau steht die am stärksten autobiographische Serie des Künstlers, a. somebody, aus dem Jahr 2002, in der er sich in die Rolle verstorbener Rockstars von John Lennon bis Kurt Cobain hineinversetzt (und die auch einige bisher unveröffentlichte Aufnahmen enthält). Daneben stehen mit Cemetery aus den Jahren 1982–83 eine frühe Sequenz von Grabmonumenten und Skulpturen sowie die Ikonen, die Corbijn berühmt gemacht haben: eine Auswahl von 80 Portraits von Bands und Musikern aus 40 Jahren seines photographischen Schaffens. (Ausstellung: Bucerius Kunst Forum 07.06 – 16.09.2018)

 

Anton Corbijn
Selbstportrait

80 Seiten, 24 Farb- und Duotone-Tafeln
Schirmer/Mosel
ISBN: 9783829608466; 22 Euro

Als der heute weltbekannte Photograph und Filmemacher Anton Corbijn (geb. 1955) als Teenager darüber sinnierte, wie er der provinziellen Enge seiner Heimat im Süden von Rotterdam entkommen könne, lieh er sich die Kamera seines Vaters, um sich bei einem Rockkonzert einen Platz in der Nähe der Bühne zu sichern – eine Weltkarriere nahm scheinbar unverhofft ihren Anfang. Diese Begebenheit und seinen Werdegang zu dem Photographen der Rock- und Punkmusikszene, zum gefragten Autor von Musikvideos und Buchprojekten sowie zum Spielfilmregisseur schildert Corbijn hier voller Bescheidenheit und noch immer verwundert, wie es scheint, über die Wendungen, die sein Leben genommen hat. Die französische Autorin Marie-Noël Rio (geb. 1943) hatte Corbijn unter Jack Londons Motto „Was mir das Leben bedeutet“ um ein Gespräch gebeten und den Meister der Bilder für ein meisterhaftes Selbstportrait in Worten gewinnen können – authentisch, liebenswert und voller überraschender Entdeckungen. Ein Muss für jeden Corbijn-Fan!

 

Rosa Schamal
Altar

92 Seiten, 88 Farbabbildungen
Edition Patrick Frey
ISBN: 978-3-906803-64-7; 40 Euro

Der vorliegende Band Altar dokumentiert den Drang vieler Menschen, säkulare Dinge in den Stand von "rituellen Gegenständen" zu erheben und zu privaten Altären neu zu kombinieren. Ob Staubfänger, Nippes, Souvenir, ob zufällig Gefundenes, sinnige Kunst oder Dinge, die mit Ernsthaftigkeit und tiefer Empfindung verehrt werden, bilden diese Objekte eine eigentümliche Erzählung der Besitzer von sich selber – nicht in Worten, sondern in Dingen. Rosa Schamal verfolgt ihre Faszination für "unbedeutende" Dinge, die ausgestellt, ihre mal banale, mal berührende Wirkung entfalten, schon seit geraumer Zeit mit der Kamera. Peter Schneider umreißt in seinem Essay verschiedene Möglichkeiten, die implizite Ordnung dieser "kleinen Dinge" besser zu verstehen. Manuel Süess führt als Typograf und Gestalter Text und Photographie gekonnt zusammen.

 

Dieter Kramer
Stadt Mitte Berlin

240 Seiten, über 1000 Abbildungen
Edition Braus
ISBN 9783862281428; 29,95 Euro

Dieter Kramer dokumentiert den Wandel der Berliner Stadtmitte. Er stellt dabei seinen frühen Aufnahmen der 1970er Jahre eine Reihe historischer Abbildungen voran und gegenüber, und konfrontiert diese mit den aktuellen Zuständen der interessantesten Orte in der Stadtmitte. Mit über 1000 Abbildungen und kenntnisreichen Kurztexten zur Berliner Stadtgeschichte spannt der Autor einen Bogen vom 18. Jahrhundert bis heute. Besonders eindrucksvoll sind die Gegenüberstellungen von großformatigen Panoramaphotos, die vor und direkt nach der Maueröffnung entstanden, mit Bildern des heutigen Stadtbildes. Die schier unglaubliche Materialfülle bietet Alt- und Neu-Berlinern viel zu entdecken.

 

Klaus Kinold
Rudolf Schwarz: Kirchenbauten

72 Seiten, 55 Abbildungen
Hirmer-Verlag
ISBN: 978-3-7774-3002-7; 35 Euro

Der deutsche Architekt Rudolf Schwarz (1897–1961) zählt zu den großen Meistern des Kirchenbaus im 20. Jahrhundert. Sein Werk umfasst sowohl zahlreiche Neubauten als auch Umbauten und Renovierungen. Inspiriert von der katholischen Jugendbewegung hat er seit 1924 über 40 Sakralbauten entworfen. Daneben ist er als Autor grundlegender Texte zum Kirchenbau hervorgetreten. Zehn Beispiele und ein von Schwarz gestalteter Freiraum werden in dem vorliegenden Buch vorgestellt. Es dokumentiert gleichzeitig dessen richtungweisende Sakralbauten in Deutschland und in Österreich, die bis heute eine internationale Strahlkraft haben. Der renommierte Münchner Architekturphotograph Klaus Kinold hat sich mehrfach und intensiv mit den Kirchen von Rudolf Schwarz auseinandergesetzt und steuert die meisterhaften Photographien bei. Der Architekturkritiker Wolfgang Jean Stock, dessen Spezialgebiet der moderne Kirchenbau in Europa ist, würdigt die Leistung von Rudolf Schwarz als Baumeister der Moderne und beschreibt die einzelnen Bauten. Zwei grundlegende Texte des Architekten – „Vom Bau der Kirche“ und „Bildende Künste im Sakralbau“ – runden das Werk ab. Das zweisprachige Buch führt anhand hervorragender Photographien nicht nur die Leistung von Rudolf Schwarz als den Erneuerer des katholischen Kirchenbaus vor Augen, sondern zeigt auch seine enge Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, darunter Ewald Mataré und Georg Meistermann. Nicht zuletzt Mies van der Rohe hat den Architekten mit den Worten gewürdigt: „Rudolf Schwarz war ein denkender Baumeister, und Baukunst war ihm gestaltete, sinnerfüllte Ordnung.“ (vZ)

 

Jim Marshall
Johnny Cash at Folsom and San Quentin

144 Seiten, über 70 Farb- und S/W Abb., Englisch
Reel Art Press
ISBN: 978-1-909526-56-3; 49,95 Euro

Carefully curated with full access to the Jim Marshall Archive, this handsome oversized volume offers the definitive view of Johnny Cash’s legendary prison concerts at Folsom in 1968 and San Quentin in 1969. Cash had been interested in recording a live album at a prison since his 1955 hit, “Folsom Prison Blues.” The idea was put on hold for a few years until 1968, when Cash visited one of California’s oldest maximum-security prisons to record his At Folsom Prison album. Cash had known Jim Marshall since the early 1960s and personally requested him to record the prison concert. Marshall was the only of official photographer present, and was granted unlimited access. Backed by June Carter, Carl Perkins and the Tennessee Three, Cash performed two shows at Folsom. The resulting album was a hit in the United States, and reached Number One on the country charts and the top 15 of the national album chart. Its popularity revitalized Cash’s career and led to a follow up album, At San Quentin, the following year. Again, Marshall was personally invited to document the concert. San Quentin became Cash’s first album to hit Number One on the pop charts and both it and its predecessor remain two of the biggest selling live albums of all time. From arriving off the bus outside the imposing prison walls, to shaking hands with prisoners (including Glen Sherley, who wrote the song “Greystone Chapel” sung by Cash), and performing until sweat dripped down his forehead, Marshall captured the passion, authority and intimacy of Cash’s performances. His “JC Flippin’ the Bird at San Quentin Prison” has become one of the most iconic and most-copied photographs of the 20th century and came about when Marshall asked Cash to express what he thought about the prison authorities: “John, let’s do a shot for the warden.”

 

Walter Frentz
Der Schatten des Führers

176 Seiten, 80 Abbildungen
Edition Braus
ISBN 9783862281589; 32 Euro

Über seinen Sportskameraden Albert Speer lernte der Photograph Walter Frentz die Regisseurin Leni Riefenstahl kennen, wurde ihr wichtigster Kameramann und fand sich bald im engsten Umfeld Adolf Hitlers wieder. Offiziell zuständig für Filmdokumentationen aus dem Führerhauptquartier, entstanden parallel Photos, die nicht für die Veröffentlichung bestimmt waren. Drei Kapitel ragen aus seinem atemberaubenden Archiv besonders heraus: Die Bilder für seinen Film „Hände am Werk“, noch entstanden unter dem Eindruck der Neuen Sachlichkeit, die rund tausend Köpfe umfassende Galerie der Nazi-Täter, die er in einem improvisierten Studio im Führerhauptquartier aufnahm, und die fast vedutenhaft romantischen Panoramen zerstörter deutscher Städte. Der Bildband wirft außergewöhnliche Schlaglichter auf die Mentalität der führenden Nationalsozialisten, den Umgang mit dem Krieg und ihren wachsenden Realitätsverlust.

 

Phoenix - Modewelten von Stephan Hann
176 Seiten, 200 Abbildungen in Farbe
Hirmer-Verlag
ISBN: 978-3-7774-3174-1; 29,90 Euro

Die unverwechselbare Mode-Kunst von Stephan Hann (geboren 1970 in Berlin) entsteht aus alltäglichen Materialien, wie Telefonbuchseiten, Malerfolien, Architekturplänen, Tetra-Pak-Kartons, Plastiktüten oder Telefonkabeln, Videotapes oder Zelluloidfilmen. Dabei durchlaufen die eingesetzten Materialien immer eine fundamentale Wesensveränderung: Durch die Hand des Künstlers verwandeln sich diese in Kleider, die unmittelbar faszinieren. Zugleich regen seine poetischen Kreationen aber auch zum Nachdenken an. Denn die Modekunst des gelernten Kostümbildners und Modedesigners zeigt ihren Schöpfer als einen Alchimisten von Stoffen, als einen Magier der Form, der in all seinen Werken eine staunenswerte Materialästhetik herausarbeitet. Ein Abendkleid aus Blisterpackungen, Flügel aus zerschnittenem Altpapier, ein Rock aus Zelluloidfilmen: Stephan Hanns eindrucksvolle Modeschöpfungen bestehen lediglich aus dem, was wir für gewöhnlich gar nicht beachten oder sogar wegwerfen. Hann hebt so den einzigartigen Wert eines jeden Dings hervor – wertlos scheinende Materialien wandelt er in einprägsame Kunst. Durch die Verarbeitung der Stoffe erweckt er zugleich deren Erinnerungswert und macht seine Objekte zu eindringlichen Botschaftern unseres kulturellen Gedächtnisses. Der Bildband „Phoenix - Modewelten von Stephan Hann“ präsentiert in etwa 200 Photographien von Felix Weinhold verschiedene Gruppen der Arbeit des Künstlers, wie beispielsweise Beflügelt, Gefunden, Inspiriert, Verführt oder Erinnert. Die Einführung des Herausgebers Dr. Karl Borromäus Murr, Leiter des Textil- und Industriemuseums, Augsburg, beginnt mit dem Satz: „Auch wenn viele der von Stephan Hann kreierten Modeobjekte tatsächlich tragbar sind, gehören sie doch ganz und gar in das Reich der Kunst.“ Dessen Text ist gegliedert in sechs Teile, beginnend mit ‚Lost and Found‘ und endend mit ‚Kultur der Erinnerung‘. Er belegt gleichzeitig, dass Hanns Arbeiten eine Einsicht ungemein sinnfällig machen: Kunst ist nichts anderes als Verwandlung und Erinnerung gleichermaßen. (vZ) (Ausstellung: noch bis 29. Juli im Staatlichen Textil- und Kunstmuseum (tim) in Augsburg)

 

National Geographic
In 125 Jahren um die Welt - Afrika

312 Seiten
Taschen-Verlag
ISBN:  978-3-8365-6873-9; 50 Euro

In der im Herbst 2017 im Taschen-Verlag unter der Überschrift „National Geographic: In 125 Jahren um die Welt“ gestarteten Buchreihe erschienen bisher die Bestseller „Europa“ und „Asien - Ozeanien“. Diese wird nun durch den Bildband „Afrika“ vervollständigt. Der opulente, etwa 30x40 cm große Bildband beginnt mit einem Essay von Joe Yogerst mit dem Titel „Jenseits von Afrika - Berichterstattung von National Geographic über den zweitgrößten Kontinent der Welt“. Darauf folgen auf über 300 Seiten sowohl eine Auswahl von rund 200 Afrikabildern aus den Archiven der renommierten Zeitschrift als auch 40 neue Photographien. Diese spiegeln die Vielfalt dieses Kontinents, seine  Geschichte und Kulturen sowie seine Landschaften und Wildtiere, in beeindruckender Weise wider. Die transkontinentale Zeit- und Bilderreise durch den Kontinent ist aufgeteilt in die Kapitel Nord-, Zentral-, Ost-, West- und Südafrika.  Sie beginnt mit frühen Schwarzweiß-Aufnahmen und ersten Autochromphotos, führt weiter durch das goldene Zeitalter der Farbdias und endet in der heutigen Digital-Ära. Die archäologischen Fundstätten in Ägypten, die Gassen und Suks der Altstadtviertel in den Städten Algeriens, die nebelverhangenen Vulkane Ugandas und die Drakensberge von Südafrika mit ihren zarten, rotbuschigen Wildblumen sind in großformatigen Photographien aus 125 Jahren epochemachender Reisephotographie ebenso abgebildet, wie Berggorillas in Ruanda, Wolkenkratzer in Simbabwe, Ritualmasken der Tschokwe aus Angola und verzweifelt gegen riesige Heuschreckenschwärme kämpfende Bauern in Kenia. Die teilweise doppelseitigen Photographien zeigen ein spannendes Afrikapanorama, das den jeweiligen Zeitgeist abbildet und nachverfolgen lässt, wie der voyeuristische Blick und der Kult des Ausgefallenen von einst einer realistischeren Wahrnehmung gewichen ist, die auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Kolonialismus und Globalisierung nicht ignoriert. Entstanden ist eine atemberaubende Hommage an einen unvergleichlichen Kontinent. (vZ)

 

Der Hund in der Photographie - 1839 bis heute
688 Seiten, Englisch, Deutsch, Französisch
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-6747-3;  15 Euro

Zu Ehren des beliebtesten Tieres der Welt und des nach Arthur Schopenhauer „alleinigen wahren Gefährten und treuesten Freundes des Menschen“ versammelt der Bildband „Der Hund in der Photographie – 1839 bis heute“ auf fast 700 Seiten über 400 Photographien über Hunde und mit Hunden. Mit Bildern aus der Zeit vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart umfasst die Sammlung Werke von weltbekannten, aber auch vielen unbekannten Photographen. Diese belegen in fünf zeitlich angeordneten Kapiteln, dass der Hund durchaus eigenständig Stolz, Freude, Klugheit, Mut und Freundlichkeit auszudrücken vermag: Das vorliegende Buch mit einem Titelbild des 1993 von Rosemarie Trockel aufgenommenen Porträts von „Elena“ zeigt die wahre Hundekunst. Auch eingefleischten Verächtern des Canis lupus familiaris entlockt diese geballte Ladung Charme auf vier Pfoten das in diesem Kontext unvermeidbare „wau!“. Intellektuell unterfüttert wird diese Hommage durch dackelschlaue Essays zum Themenkomplex Hund-Mensch-Photographie. Das erste Kapitel umfasst die Zeit zwischen 1890 und 1930 und enthält u.a. Bilder von Nadar, David Octavius Hill oder Ottomar Anschütz. Zwischen 1930 und 1950 haben beispielsweise Erich Salomon,  Paul Outerbridge, Robert Capa oder Herbert List ihre Lieblinge aufgenommen, während das Buch in Kapitel 3, das u.a. Photographien von Lee Friedlander, Thomas Höpker, Eve Arnold oder Marc Riboud enthält, die Zeit zwischen 1950 und 1980 abdeckt. Zwischen 1980 und 2000 widmeten sich zum Beispiel Sebastiao Salgado, Eric Fischl oder Ralph Gibson auch dem Motiv Hund, während zwischen 2000 und heute Josef Koudelka oder Pentti Samallahti neben vielen anderen auch des Menschen liebstes Haustier ablichteten. Natürlich enthält der Bildband auch einige der weltbekannten Aufnahmen der Doyens der Hundephotographie, dem einzigartigen Elliott Erwitt und von William Wegman, dessen Weimaraner-Hund „Man Ray“ 1982 von der Village Voice zum „Mann des Jahres“ gekürt wurde. Insgesamt legen ihre Photographien – individuell in ihrem Stil, aber vereint in ihrer Zuneigung zum Hund – eindrucksvoll Zeugnis davon ab, dass Hunde nicht nur unsere besten Freunde, sondern auch eine Inspiration für Photographen sind. Ein vollständiger Index aller Bilder der einzelnen Kapitel beschließt den preiswerten, kleinformatigen, aber dicken Band ebenso, wie eine alphabetische Auflistung aller mit Bildern von Hunden vertretenen Photographinnen und Photographen. Dieser beginnt mit der Aussage von Alphonse Toussenel: „Am Anfang schuf Gott den Menschen. Doch als er sah, wie schwach er war, gab er ihm den Hund.“ (vZ)

 

Matt Karwen
Sit

160 Seiten, mehr als 100 Hunde-Portraits
Seltmann & Söhne
ISBN    978-3-94668-819-8; 55 Euro

Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen sind dem Photographen Matt Karwen bisher ungesehene, ausdrucksstarke Hundeportraits gelungen, die uns einen überraschenden Einblick in die Persönlichkeit der Tiere gewähren. Losgelöst von äußeren Einflüssen offenbaren ihre Gesichter Stimmungen und Emotionen, die von Lebensfreude, über Neugier, bis hin zu Gelassenheit reichen.

 

Fotofinish
Hrsg. Christina Leber (DGPh)
472 S. mit 160 farbigen und 220 s/w Abbildungen
Snoeck Verlagsgesellschaft
ISBN 978-3-86442-233-1; 58 Euro

Anfang der 1990er Jahre begann sich die Photographie zaghaft als Material in der Kunst und auf dem Kunstmarkt zu etablieren, war aber noch lange nicht in den Rang einer eigenständigen künstlerischen Gattung aufgestiegen. Zurzeit gehört sie zu den vielfältigsten Ausgangsformen, die es in der künstlerischen Auseinandersetzung gibt. Gleichzeitig stellt sich im Zenit ihres Aufstiegs die Frage, wie lange die Photographie als (eigenständiges) Verfahren in der Kunst noch zur Anwendung kommen wird. Die Digitalisierung hat die analogen Techniken fast völlig verdrängt. Und mit den grundlegenden Veränderungen der technischen Herangehensweisen verändert sich auch der Umgang mit der Photographie. Neben Christina Lebers Text über die Geschichte der DZ Bank Kunstsammlung anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums wird in diesem reich bebilderten Band in fünf Essays von Henning Engelke, Ursula Frohne, Kathrin Schönegg, Steffen Siegel (DGPh) und Wolfgang Ullrich das Verhältnis der Photographie zu den anderen künstlerischen Gattungen beleuchtet und neu eingeordnet: zur Malerei, zur Zeichnung und Skulptur, zum Bewegtbild und der Konzeptkunst. Denn es ist an der Zeit, über die in den letzten Jahren forcierte, rein dokumentarische Funktion von Photographie in der Kunst hinaus, das Fenster aufzustoßen und die Möglichkeiten dieses Mediums als Kunst erneut konzentriert in den Blick zu nehmen.

 

Thomas Hoppe
Farbe in der Bildbearbeitung mit Photoshop und Lightroom

272 Seiten, in Farbe
mitp Verlag
ISBN: 9783958457270; 25,99 Euro

Farbkorrektur, Farbgestaltung, Farblooks; Praxisratgeber für die Farbbearbeitung in Adobe Photoshop, Adobe Lightroom und Adobe Camera Raw; Anschauliche Beispiele zu Farbeinstellungen wie Farbbalance, Hauttönen, Filtern, Sättigung, Weißabgleich, Teiltonung, Farbsäumen u.v.m.
Allein durch die Modifizierung von Farbe bei der nachträglichen Bildbearbeitung können kann ein durchschnittliches Photo in ein außergewöhnliches Photo verwandelt werden. Der Photograph Thomas Hoppe geht nach einer kurzen aber anschaulichen theoretischen Erläuterung direkt zur Praxis der Farb-Bildbearbeitung mit den gängigen Programmen Photoshop, Lightroom und Camera Raw über. Er zeigt, wie im Raw-Konverter Farbanpassungen zu erstaunlichen Ergebnissen führen und globale und lokale Farbkorrekturen in Photoshop gehandhabt werden. Die geschickte Anpassung von Hauttönen, Kontraststeigerungen, Farbumwandlungen oder Photofiltern werden dabei immer wieder aufgezeigt. Mit diesem Buch erfährt der Leser auf der einen Seite, wie Farbe funktioniert, und auf der anderen Seite lernt er die Techniken innerhalb von Lightroom und Photoshop kennen. Zu den Themen Farbgestaltung sowie Farblooks finden sowohl Einsteiger als auch alte »Bildbearbeitungshasen« viele Tricks und kreative Anregungen für die tägliche Arbeit.

 

Jürgen Gulbins / Uwe Steinmüller
Fine Art Printing für Fotografen

514 Seiten, komplett in Farbe
dpunkt.verlag
ISBN Print: 978-3-86490-566-7;  44,90 Euro
E-Book (PDF) 35,99 Euro

Digitale Kameras liefern bereits heute Bilddaten, die eine großformatige Ausgabe in höchster Qualität erlauben. Aber auch die Drucktechnik hat mit der Entwicklung der Bildsensoren Schritt gehalten: Inkjet-Systeme mit höchster Präzision und Auflösung, Tinten, die feinste Tonwertabstufungen darstellen können und langfristige Farbstabilität bieten – und das alles zu Preisen, die auch für den anspruchsvollen Amateur erschwinglich sind. Fine Art Printing ist kein Buch über Drucktechnik, sondern ein Buch von Photographen für Photographen. Es zeigt Ihnen, wie man einen geeigneten Drucker auswählt, wie man hochwertige Photodrucke mit guten Inkjet-Druckern herstellt und wie man den photographischen Workflow zur optimalen Vorbereitung der Bilddaten anlegt. Das Buch erläutert, wie man diesen letzten Arbeitsschritt in der »digitalen Dunkelkammer« meistert, um perfekte, ausstellungsreife und langlebige Drucke zu erzeugen. Die nötigen Grundlagen des Farbmanagements und
der Profilerstellung werden ebenso behandelt wie die Auswahl geeigneter Drucker, Papiere und Tinten sowie das Optimieren der Photos für den Druck. Auch die Nachbehandlung der gedruckten Bilder und Möglichkeiten der Bildpräsentation werden angesprochen. Die 5. Auflage berücksichtigt neben Photoshop 6 und CC neue Filter, aktuelle RIPs sowie neue Druckertypen und Papierarten. Es deckt auch ausführlich das Drucken aus Lightroom (inklusive Lightroom Classic) ab. Es ist damit das einzige deutschsprachige Buch in dieser Tiefe und Vollständigkeit.