
Humorvoll und provokant
Der amerikanische Maler und Photograph Richard Prince (* 1949) zählt als Vertreter der ‚Appropriation Art‘ zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart. Seit den 1970er Jahren polarisiert er den Kunstmarkt vor allem mit seinen Aneignungen von Bildern aus der Werbeindustrie. Dabei beschäftigt er sich überwiegend mit den trivialen Mythen der amerikanischen Alltagskultur und verwendet häufig Werbeanzeigen aus Zeitschriften, die er nach seinen Worten „re-photographiert“ und mit teilweise verändertem Ausschnitt, stärkerer Körnigkeit oder Farbe wieder veröffentlicht. Mit den aus den Massenmedien übernommenen Motiven offenbart der Künstler durchaus humorvoll und provokant visuelle Kommunikationscodes der Konsumkultur.
Im Zentrum des im Hirmer Verlag, München, erschienenen Buchs „Richard Prince – Fotografie: Fiction Becoming True“ steht sein photographisches Werk, enthält aber auch andere Medien, wie Installationen, Zeichnungen und Malereien. Dabei setzt sich der Künstler seit Mitte der 1980er Jahre vor allem mit Witzen (Jokes) auseinander, die er entweder ohne jeden Zusatz auf monochrom grundierte Leinwände schreibt oder mit Zeichnungen, Malereien und Cartoons erweitert. Seine bekannteste Arbeit ist die zwischen 1980 und 1987 gestaltete Serie „Cowboys“, die aus photographierten Ausschnitten von Marlboro-Anzeigen besteht, deren Originale von dem Schweizer Photographen Hannes Schmid stammen. In den folgenden Jahren entstanden weitere Serien mit den Bezeichnungen „Car Hoods“, „Check Paintings“ und „Nurse Paintings“. Ein Beispiel aus der letzten Serie ist „Hollywood Nurse #4“ aus dem Jahre 2004.
Fachkundige Texte beschreiben in insgesamt sieben Kapiteln die Arbeit des vielfach ausgezeichneten Künstlers. Sein Ausstellungskurator Walter Moser führt unter dem Titel „Eins plus eins“ in die Collagen und Montagen von Richard Prince ein, während Christian Liclair dessen „Mythische Männlichkeit“ im Blick hat. Unter dem Titel „Die Erfahrung meistern“ beschreibt Nicole Scheyerer dessen „Weg zu Spiritual America“ und nimmt sich Tanja Widmann unter dem Titel „Lying Daughters“ dessen (Re)produktionen vor. Eva Kernbauer sieht den Künstler als „Like Most Everybody Else“ und Sydney Stutterheim ordnet dessen Arbeit mit vorhandenem Material als „Private Availability“ ein, während Thomas D. Trummer sich unter „Aneignung und Missbehagen“ zu den ‚New Portraits‘ von Richard Prince äußert.
Der Band stellt retrospektiv das bisherige Werk des Künstlers in seiner ganzen Bandbreite dar. Humorvoll und provokant offenbaren seine aus den Massenmedien übernommenen Motive visuelle Kommunikationscodes der Konsumkultur. Im Zentrum steht das photographische Werk von Richard Prince, zeigt aber auch andere Medien wie Installationen, Zeichnungen und Malereien. Vereint werden seine ikonischen Arbeiten mit selten oder bislang nicht veröffentlichten Werken. (vZ)
Richard Prince
Fotografie: Fiction Becoming True
Hrsg.: Walter Moser
256 Seiten, mit 280 Abbildungen
Format: 29 x 23 cm, Softcover mit Schutzumschlag
München, Hirmer Verlag
ISBN: 978-3-7774-4736-0
50,00 Euro