Peter Lindbergh - Dior

Selten war die Anteilnahme Anfang September dieses Jahres weltweit so groß wie bei der Bekanntgabe des zu frühen Todes von Peter Lindbergh. Seine Photos, viele von ihnen seit Veröffentlichung zu Ikonen geworden, standen für einen neuen Stil der Modephotographie. Wenn man die Chance hatte, Peter Lindbergh persönlich zu treffen (und ich hatte zweimal die Chance) dann glaubte man zu spüren, was den Großteil seines Erfolges ausmacht. Offen auf Menschen zugehen und zuhören. Das nun erschienene Buch ist wie das Vermächtnis einer der größten Modephotographen und Menschen der letzten 50 Jahre.

 

Während seiner gesamten Karriere stand Peter Lindbergh dem Haus DIOR auf ganz besondere Weise nahe. Er photographierte die schillernden Musen des Hauses, darunter Marion Cotillard und Charlize Theron, und realisierte mit seinem unverwechselbaren Stil Kampagnen für die Parfums Lady Dior und J’Adore. Dieses letzte Buch des Photographen ist das Originaldokument einer außergewöhnlichen Ko-Kreation – und eine Herzensangelegenheit des Künstlers.

Siebzig Jahre DIOR-Geschichte und das Brodeln des Times Square in New York: Das war das Konzept hinter Lindberghs in Umfang und Dimension außergewöhnlichem Projekt, für das DIOR in einer ebenso ungewöhnlichen Aktion eine beispiellose Anzahl von kostbaren Couture-Kreationen aus den Tresoren in Paris über den Atlantik schiffte.

Das Ergebnis ist elektrisierend. Inmitten des Trubels am Times Square glänzt Alek Wek im makellosen Bar-Kostüm von 1947, jenem berühmten Ensemble, das den frühen Stil des Hauses definierte. Klassische „Lindbergh-Schönheiten“ wie Saskia de Brauw, Karen Elson und Amber Valletta bewegen sich durch Menschenmassen und unter Gerüsten hindurch, spiegeln sich in Gebäudefassaden – gekleidet in Haute Couture, die Christian Dior noch von Hand fertigte, bis hin zu neueren Entwürfen von Maria Grazia Chiuri. Ein Spiel der Kontraste, das den Ambitionen dieser Stilübung jederzeit gerecht wird: Peter Lindberghs typisch monochrome, aber auch farbige Photos heben auf meisterhafte Weise die Silhouetten, Feinheiten und Texturen jedes Kleidungsstücks hervor.

Lindbergh selbst ist in dieser zweibändigen Publikation in jeder Hinsicht präsent. Auf allen Produktionsstufen hat er eng mit TASCHEN zusammengearbeitet. Band eins enthält 165 bislang unveröffentlichte Bilder, dazu eine Einführung von Martin Harrison. Band zwei würdigt Lindberghs langjährige Verbundenheit mit dem Pariser Modehaus DIOR. Dafür stellte er mehr als 100 Photographien zusammen, von Haute Couture bis zu Herren- und Damenkonfektionen, die ursprünglich in renommierten Zeitschriften wie Vogue oder Harper’s Bazaar veröffentlicht wurden. Für die Gestaltung der Bände zeichnete Lindberghs langjähriger Artdirector und enger Freund Juan Gatti verantwortlich. Eine atemberaubende Hommage an das zeitlose Zusammenwirken von Haute Couture und Photographie. Auch an dem Konzept der im Februar startenden Ausstellung im Kunstpalast in Düsseldorf, hat Peter Lindbergh bis zuletzt mitgearbeitet. (st)

Peter Lindbergh - Dior