Cover, Bauhaus New England, Mark Römisch, 2026, Hirmer Verlag
Bauhaus-Erbe in den USA 

Durch die Gründung des „Staatlichen Bauhauses“ durch Walter Gropius (1883 – 1969) wurde 1919 in Weimar ein Baustil entwickelt, der Kunst, Handwerk und Technik miteinander verband und damit die Funktionalität durch Klarheit und Schlichtheit in den Vordergrund stellte. Getreu dem Leitsatz „Form folgt Funktion“ fand er durch ästhetische Gestaltung zudem für den Alltag eine Lösung – ohne überflüssige Dekoration, mit einer klaren, auf das Wesentliche reduzierte Formensprache. Gropiuus gilt daher heute als Pionier der internationalen modernistischen Architektur. Auch das heutige Bauhaus-Museum in Dessau zeichnet sich durch Klarheit und Schlichtheit aus. 

Nach der Zwangsschließung des Bauhauses durch die Nazis emigrierte Gropius 1934 zunächst nach England und ging drei Jahre später in die USA. Sein dortiges Schaffen ist in dem im Hirmer Verlag, München, erschienenen Buch „Bauhaus New England“ zusammengefasst. Denn es ist weitgehend unbekannt, dass die Ideen von Walter Gropius aus den 1930er Jahren im Nordosten der USA, und zwar in New England, ebenfalls aufgegriffen wurden. Die Region umfasst heute die sechs Bundesstaaten Connecticut, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Rhode Island und Vermont. Viele der dort im Bauhausstil in den Jahren zwischen 1938 bis 1973 errichteten Häuser sind kaum bekannt und mancherorts gar vom Vergessen bedroht. Die Reihe beginnt mit dem 1938 entstandenen Gropius-Haus und dem Breuer-Haus, das 1939 von dem Gropius Schüler und späteren Kollegen Marcel Breuer gestaltet wurde, und reicht bis zur 1973 gebauten „Stillman Cottage 

Der Photograph Mark Römisch entdeckte das architektonische Bauhaus-Erbe in New England und fasst dies in dem Buch in über 200 Schwarzweiß-Photographien zusammen. Bei seinen Aufnahmen folgte er der Logik der Architektur: dem Einfall des Lichts in einen Raum, der Geometrie einer Treppe, dem bewusst gesetzten Verhältnis zwischen Haus und umgebender Landschaft. Gleichzeitig ist eine Untersuchung privater Wohnhäuser in New England entstanden, die vom Denken des Bauhauses geprägt sind und damit letztlich eine transatlantische Geschichte zeigen. Alle in dem Buch ausführlich dargestellten, im Nordosten der USA im Laufe der Jahre im Bauhaus-Stil entstandenen 27 Häuser einschließlich acht „Six-Moon-Hill“-Häuser sind am Ende des Buchs mit Angabe des Hausnamens, des Architekten, dem Jahr des Baus und des jeweiligen Auftraggebers in einer Liste zusammengefasst. 

Die begleitenden Essays, verfasst von Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern sowie von Menschen mit persönlichem Bezug zur Geschichte des Bauhauses in den USA, darunter Erika Pfammatter, der Enkelin von Walter Gropius, zeichnen nach, wie eine europäische Gestaltungsphilosophie unerwartet in einem amerikanischen Umfeld Wurzeln schlug. In der Zusammenschau beschreiben Photographien und Texte ein architektonisches Erbe, das der Öffentlichkeit bislang weitgehend verschlossen blieb. (vZ)

Mark Römisch
Bauhaus New England
Text: Cristine Cipriani, Amy D. Finstein, Erika Pfammatter, Gary van Zante
224 Seiten mit 218 Bildern
Sprache: Englisch
Format: 27 x 27 cm, Hardcover
München, Hirmer Verlag
ISBN: 978-3-7774-4792-6;  
50,00 Euro