
Täglich informieren uns nicht alleine Texte, sondern auch eine Vielzahl von Bildern darüber, was in der Welt geschieht – und fast immer handelt es sich um Fotografien und Videos. Online auf Nachrichtenportalen und in den Sozialen Medien, im Fernsehen oder auch in der Zeitung: Nachrichtenbilder prägen maßgeblich unsere Orientierung in der Welt, sie erzeugen Evidenz und strukturieren unsere Wahrnehmung.
Was aber geschieht mit allen diesen Bildern, wenn sie ihre unmittelbare Aktualität verlieren? Unter welchen Bedingungen verwandeln sich „News“ in zeithistorische Quellen und im besten Fall sogar in ein wertvolles Kulturgut? Wie werden Nachrichtenbilder überhaupt gesammelt – und durch wen? Und wie verändern sich Status, Funktion und Lesbarkeit von Nachrichtenbildern mit ihrem Übergang ins Archiv?
Das Manfred Heiting Stipendium für Fotografie eröffnet Master-Studierenden und Doktorand*innen die Gelegenheit, sich anhand des reichen fotografischen Bestandes des bpk-Fotoarchivs in der Staatsbibliothek zu Berlin mit mehr als einem Jahrhundert faszinierender Fotogeschichte auseinanderzusetzen.
Geleitet wird die Summer School von Prof. Dr. Steffen Siegel (DGPh / Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste) und Miriam Zlobinski (DGPh / Kuratorin der Ausstellung „Im Rhythmus der Großstadt – 100 Jahre Fotografie und Presse in Berlin“) in Kooperation mit Christina Stehr (DGPh / Staatsbibliothek zu Berlin, Referatsleiterin des bpk-Fotoarchivs).
Im Zentrum der ersten, durch das Engagement Manfred Heitings (DGPh) finanzierten Berlin Summer School of Photography stehen Bestände seit 1920, die wir im Hinblick auf Fragen nach Indexikalität und Evidenz, nach Autorschaft und Zirkulation sowie Materialität und Medialität befragen wollen. Nicht zuletzt wird der institutionelle Rahmen von Bibliotheken, Archiven und Museen kritisch betrachtet werden. Wie wirken solche Orte als Instanzen von Kanonisierung, Wissensproduktion und kultureller Wertzuschreibung?
Die Staatsbibliothek zu Berlin bietet hierfür einen idealen Rahmen. Neben ihrer Funktion als eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken weltweit verfügt sie über eines der bedeutendsten Bildarchive Deutschlands mit umfangreichen Beständen fotografischer Medien – im Ganzen ca. 12 Millionen Bilder, die Darunter befinden sich unter anderem Vor- und Nachlässe sowie umfangreiche Konvolute von 150 Fotografinnen und Fotografen, zum Beispiel von Erich Salomon, Friedrich Seidenstücker, Willi Moegle, Leonore Mau, Abisag Tüllmann, Bernd Heyden oder Gerhard Kiesling.
Editorial von Prof. Dr. Steffen Siegel und Miriam Zlobinski:
"Zwölf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an elf deutschen und österreichischen Universitäten studieren oder als Doktorierende forschen, haben an der Berlin Sommer School of Photography teilgenommen, um anhand von Stichproben aus dem reichen Fotoarchiv der Staatsbibliothek zu diskutieren, mit welchen Fragen wir heute Nachrichtenbilder in den Blick nehmen können. Dabei waren unsere Gespräche von einer doppelten Erfahrung gerahmt: Einerseits verändert sich in unserer Gegenwart die Verbreitung und der Gebrauch von Nachrichtenbilder auf ganz grundlegende Weise. Gedruckte Zeitungen spielen eine immer kleinere Rolle, digitale Portale dafür eine immer größere. Andererseits aber verändern sich auch unsere Fragestellungen: So werden Aspekte der globalen Verflechtungsgeschichte oder der Bildökologie immer prominenter. Um solchen Interessen kompetent nachgehen zu können, ist eine profunde Kenntnis der Quellen und ihrer Kon texte unerlässlich. Daher fand ein großer Teil der Summer School direkt in den Räumen des Fotoarchivs statt – im Außendepot der Staatsbibliothek in Friedrichshagen. Dort hatten wir gemeinsam mit Christina Stehr, Leiterin des bpk-Fotoarchivs, und der Museologin Antonia Teweleit, die Gelegenheit, die archivarischen Ordnungen kennen zulernen und so auch deutlich besser die hier geleistete Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verstehen. Anhand von sechs ausgewählten Konvoluten arbeiteten wir schließlich selbst exemplarisch und diskutierten die Möglichkeiten, solche fotografischen Teilsammlungen methodisch zu erschließen. Auf den folgenden Seiten stellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die von ihnen untersuchten Konvolute jeweils kurz vor. Dabei schlugen die von uns ausgewählten Nachlässe einen historisch wie systematisch weiten Bogen – und veranschaulichten damit zugleich den Reichtum des fotografischen Genres Nachrichtenbild."
Ausführliche Informationen zu den Ergebnissen im PDF.