Simone Kappeler: Buntbrache, Fruthwilen, 3.1.2017, Polaroid on Fujiflex Cristal Paper
Simone Kappeler: Buntbrache, Fruthwilen, 3.1.2017, Polaroid on Fujiflex Cristal Paper
Redner*in
Florian Hürlimann
Fotograf / Fotografin
Simone Kappeler
Ausstellungsdatum
-
Kategorie
Experimentelle Photographie
Name der Galerie / Museum / Ausstellungsort
Beschreibung

Seit fünfzig Jahren sucht Simone Kappeler nach neuen Weisen, die Welt zu sehen. In ihrem Werk wiederhole sich die Geschichte der Fotografie, schrieb der Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler. „nature vivante“ im Kunstmuseum Thurgau zeigt, wie souverän die in Zürich ausgebildete Frauenfelderin über die Verfahren des Mediums verfügt.

Am Anfang steht die kameralose Cyanotypie von 1842. Kappeler geht dafür hinaus in die Buntbrache. Wilde Möhre und Rainfarn sitzen dort Modell, keine Pflanze wird gepflückt. Die Sonne färbt das Papier tiefblau, die Pflanzen bleiben als helle Schattenrisse zurück. Ein halbes Jahrhundert jünger ist der Röntgenfilm, mit dem sie Schnittblumen durchleuchtet: Blütenhüllen und Stängel von Lilien erscheinen in zartem Grau, wie mit feinem Stift gezeichnet. Im 20. Jahrhundert folgt der Infrarotfilm. Ihm gehört ein ganzer Saal: alte Birnbäume, die rot und orange glühen. Dazu kommen Spielzeug- und Polaroidkamera, Digitales – und mancher Diafilm landet mit Absicht im falschen Entwickler.

Der Titel spielt mit der „nature morte“, dem Stillleben. Auch dieses erzählt von Vergänglichkeit, wie Kappelers Wiesen und Bäume. „Ich leide daran, dass die Zeit so schnell vergeht“, sagt die 73-Jährige. Ihre Bilder halten dagegen. Man muss sie im Original sehen, dieses samtige Blau, das Leuchten der Abzüge.

Dorothea Cremer-Schacht (DGPh)

Im Ausstellungszeitraum werden verschiedene Veranstaltungen mit der Künstlerin angeboten, u.a. am 8. November 2026 ein Dialogrundgang durch die Ausstellung mit Prof. Dr. Bernd Stiegler (DGPh) und Simone Kappeler mit dem Thema "Festhalten was vergeht".

Weitere Informationen zur Ausstellung.