Cloud Studies 1 © Christian Klant
Cloud Studies 1 © Christian Klant

Interview und Text: Ute Noll 

Christian Klant, geboren 1980 in Bonn, studierte Betriebswirtschaft mit Auszeichnung, bevor er sich der Fotografie zuwandte. Seit 2010 arbeitet er an Porträts, Landschaften und Seestücken mit historischen Verfahren wie Kollodium-Nassplatten, Cyanotypien und Platin-Palladium-Prints. Im Auftrag des Amsterdamer Rijksmuseums erforschte er über vier Jahre hinweg die Arbeitstechniken des Fotopioniers Gustave Le Gray. In seinen aktuellen Serien „Cloud Studies“ und „Portraits of Nature II“ verbindet er erstmals digitale Aufnahmen mit analogen Edeldruckverfahren. Klant ist Vorstandsmitglied des Deutschen Fotorats und in der Stiftung Photographie schwarzweiß aktiv. 

Cloud Studies 2 © Christian Klant
Cloud Studies 2 © Christian Klant

Wie würden Sie Ihre fotografische Arbeit heute beschreiben? 

Meine fotografische Arbeit ist durch analoge Prozesse geprägt und im Grunde selbst ein Prozess. Ein Prozess mit den Materialien, die ich nutze, und vor allem ein Prozess mit mir selbst. Manchmal ist es der Weg, bis ich so weit bin, dass ich eine Belichtung machen kann, manchmal der Moment, bis sich das fertige Bild im Labor zum ersten Mal zeigt. Dieser Weg ist nicht immer geradlinig, aber immer auch eine kleine Reise. Ohne dass eine Fotografie von Hand entsteht, würde mir etwas fehlen. 

Gibt es Erfahrungen, die Ihre Sicht auf Fotografie besonders geprägt haben? 

Ein Schlüsselmoment war die Entstehung meiner ersten Nassplatte. In diesem Moment habe ich realisiert, etwas gefunden zu haben, ohne zu wissen, wonach ich eigentlich gesucht hatte. Das hat mein fotografisches Arbeiten von Grund auf verändert. Später sind viele weitere analoge Verfahren hinzugekommen. Jedes hat einen Moment des Besonderen, der auch nach vielen Jahren etwas Magisches offenbart. 

WetPlate bearbeitet © Christian Klant
WetPlate bearbeitet © Christian Klant

Bei Ihrer Le-Gray-Forschung haben Sie seine Verfahren rekonstruiert, nicht nur studiert. Was hat sich dadurch in Ihrem eigenen Arbeiten verändert? 

Tatsächlich gar nicht so viel. Aufgabe war es nachzustellen, wie Le Gray in den 1850er-Jahren seine Seelandschaften fotografiert hat, insbesondere Wolken, die damals sehr schwer einzufangen waren. Was mich von Kunsthistorikern unterscheidet: Ich arbeite selbst mit denselben Verfahren. Le Gray hat wie kaum ein anderer verstanden, was Nassplatten können und was nicht, und diese Eigenheiten auf meisterliche Weise und mit visionärer Ästhetik genutzt. Auch wenn ich das meiste davon schon vorher wusste, bestärkt es mich darin, ein Verfahren bis ins Detail zu durchdringen, um es für die eigene Vision nutzen zu können. 

Die Verfahren, mit denen Sie arbeiten, sind über 170 Jahre alt. Wann sind sie Erbe, wann Gegenwart? 

Erbe ist es in jedem Fall. Es liegt mir am Herzen, das Wissen um diese alten Verfahren zu erhalten und zu vermitteln. In diesem Zusammenhang freut es mich sehr, dass wir es mit dem Deutschen Fotorat geschafft haben, die analoge Fotografie als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkennen zu lassen. Gegenwart wird es, wenn ich die visuelle und haptische Ästhetik von damals nutze, um Themen von heute durch meine fotografische Arbeit auszudrücken. 

Gurdians © Christian Klant
Gurdians © Christian Klant

Wie erleben Sie die aktuelle Situation der Fotografie? 

In meiner Wahrnehmung ist die Fotografie von einer erschreckenden Beliebigkeit geprägt, verstärkt durch künstlich generiertes Bildmaterial. Problematisch wird das vor allem dadurch, dass unsere Gesellschaft nur eine überschaubare Bildkompetenz mit auf den Weg bekommen hat. Meine Arbeitsweise ist der inhärente Gegenentwurf zur Beliebigkeit. Wenn ich an manchen Tagen nur ein Bild machen kann, überlege ich mir sehr genau, welches Motiv, welche Aussage, welcher Print es wert ist, das Licht der Welt zu erblicken. Aber ich muss mich dabei auch immer wieder selbst reflektieren. Analoge Techniken oder Fehler im Prozess sind nicht automatisch ein Garant für gute Fotografie. Sie sind Teil des Weges. 

Christian Klant, WetPlat Selfporträt
Christian Klant, WetPlat Selfporträt

Was bleibt in Ihrer Arbeit konstant, obwohl sich alles verändert hat? 

Zunächst ist mein eigener Blick auf die Welt eine Konstante. Der Ausdruck dessen ist eine meist leise Fotografie und zugleich eine Einladung, auch die feinen Zwischentöne zu erlauschen. Mir ist es wichtig, mit jeder Fotografie ein von Hand erschaffenes, haptisches Original zu erzeugen. Ich glaube, dass das einen Unterschied macht, und es ist eine Freude, Menschen zu begegnen, die dies wahrnehmen und wertschätzen. 

Was hat die Fotografie Ihnen abverlangt, und war es das wert? 

Schweiß, Blut und Tränen. Klingt etwas pathetisch, aber es ist genau das, was passiert, wenn ich meine physischen, mentalen oder emotionalen Grenzen erkunde und bisweilen überschreite. Manchmal geht dabei auch etwas komplett schief. Aber wenn sich alles auf wundersame Weise fügt und ein Bild oder eine Serie entsteht, die ich mit Stolz präsentieren kann, war es jeden einzelnen Schritt wert.

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