Lois Weinberger, Ruderal Einfriedung, 1993
Lois Weinberger, Ruderal Einfriedung, 1993
Eröffnungsdatum
Redner*in
Sandro Parrotta (DGPh)
Ausstellungsdatum
-
Name der Galerie / Museum / Ausstellungsort
Beschreibung

Eröffnungen
Köln Fr. 5. Juni 2026, 18 Uhr
Bonn: So. 7. Juni 2026, 15 Uhr

Die Ausstellung versammelt Werke von neun Künstlerinnen und Künstlern, die sich in Auseinandersetzung mit der Pflanzenwelt zugleich mit der Spannung zwischen Zerstörung und Neubeginn, Vergänglichkeit und Widerstandskraft, Wachstum und Starre auseinandersetzen. Schönheit und Vergänglichkeit, Liebe und Tod – kein Lebewesen verkörpert diese Ambivalenz mehr als die Blume. Im Zentrum steht die florale Installation von Anna Jermolaeva – ein Werk, das die Blume nicht nur als ästhetisches, sondern als politisches und symbolisches Motiv begreift. Ihre Blumen sind Überlebenskünstlerinnen, stiller Protest und Hoffnung zugleich. Die Angst, eine ungebändigte Natur drohe, uns zu überwuchern, unsere Ordnung zu stören und mit Unübersichtlichkeit zu konfrontieren, führt zu einem erbitterten Kampf gegen den Wildwuchs. Lois Weinberger, der als Pionier einer poetischen Ökologie gilt, hinterfragt in seiner „Poetik des Ruderalen“ den Umgang mit „Unkraut“ und stellt überkommene Hierarchien zwischen Natur und Kultur infrage. Die Skulpturen von Feipel & Bechameil bewegen sich zwischen utopischem Design und funktionaler Skulptur – sie eröffnen mit ihrer Außenplastik „Moon in the Tree“ einen Raum für kollektive Erfahrung und Reflexion, die sich auf kippende Idealvorstellungen der Moderne beziehen. Im Spannungsfeld zwischen pflanzlicher Struktur und menschlichem Körperfragment stehen auch die fragilen keramischen Objekte von Isabell Kamp, die durch die transformativen Kräfte des Feuers entstehen und einen Raum zwischen Realität und Imagination einnehmen, der dem Traum vorbehalten ist. Die Fotografie von Blumen gehört zu den ältesten und zugleich symbolisch aufgeladensten Bildthemen der Fotografie. Auch Stephan Reusses Piss Flowers stehen in dieser Tradition, die seit der Pionierzeit zwischen Systematik und Erotik, Naturbeobachtung und Materialstudie oszilliert. In einem chemischen Reaktivierungsprozess wird das Silber der Fotografie zunächst in ein unsichtbares Halogensilber überführt und anschließend bei Tageslicht als Natriumsilberbild mit Hilfe von Harn reaktiviert. Blumen erscheinen hier nicht nur als dekoratives Motiv, sondern als Träger des Vanitas-Gedankens – zwischen Aufblühen, Vergehen und dem Sichtbarmachen des Unsichtbaren. Yann Mignards umfangreiche Fotoprojekte in deren Zentrum Neophyten (ortsfremde Pflanzen) stehen, beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Themen im Spektrum von Technologie, Ökologie und Machtstrukturen. Ausgangspunkt des fotografischen Archivs von Kim-Camille Kreuz sind kleinste pflanzliche wie tierische Fragmente, Staub und zufällige Partikel, die sich in einem großen Spinnennetz vor einer Grotte im elterlichen Garten in Südfrankreich verfangen haben. Natur wird in Joscha Benders bildhauerischen Arbeit „Chasing Girls“ zu einem zurückzuerobernden Paradies, das zuweilen als Kulisse einer sportlichen Praxis der Selbstoptimierung dient. Natur erscheint in diesem Zusammenhang nicht nur als Hintergrund, sondern als gestalteter Raum, der zwischen Ideal und Aneignung oszilliert. Sie wird zur Projektionsfläche einer somatischen Praxis, in der Körper, Bewegung und Selbstoptimierung miteinander verschränkt sind. Pflanzen als Vermittlerinnen zwischen Sonne und Erde, als Grundlage nahezu aller irdischen Lebensprozesse spielen im Werk von Arpad Dobribaneine essentielle Rolle. Nahrung ist in pflanzlicher Materie gespeicherte Sonnenenergie. Essen bedeutet, diese Energie aufzunehmen und umzuwandeln durch Verbrennungsprozesse. Am Anfang der Zivilisation steht das Feuer. Es hat im Kochen als kontrollierte Hitze unsere Evolution gelenkt und mit dem Brennen von Ton erste Infrastrukturen der Sesshaftigkeit gelegt. Das Zubereiten, Lagern und Teilen als kulturelle und gleichzeitig politische Praxis hin zu stabilen Formen des Zusammenlebens sind dem Feuer geschuldet. Mit seinem Geschmacksarchiv verwahrt Dobriban Nahrungsmittel, die durch eine traditionelle, lange und komplexe Bearbeitung haltbar gemacht und in einfache Formen gepresst oder gegossen worden sind. Ihre Wirkstoffe reaktiviert Dobriban in kollektiven Performances, auf Burg Lede am Sonntag, 21. Juni, 18 Uhr

„Feuer Wasser Erde Luft “ als eine kommentierte Speisefolge über das Zähmen der Elemente und wie wir über unsere Ernährung mit ihnen verbunden sind.

Rahmenprogramm:

Sonntag, 7. Juni 16 Uhr
KünstlerInnengespräch
Anna Jermolaewa und Yann Mingard mit Dr. Kerstin Stremmel

 Samstag/Sonntag 13./14. Juni 11 – 18 Uhr
Tag der Offenen Gartenpforte Rheinland
Burn & Bloom Kuratorinnenführung mit Dr. Birgit Kulmer an beiden Tagen 15 / 17 Uhr
Historische Gartenführung mit Prof. Dr. Rolf Sachsse an beiden Tagen 14 / 16 Uhr

Sonntag, 21. Juni, 18 Uhr
„Feuer Wasser Erde Luft “
Zur Sommersonnenwende eine kommentierte Speisefolge von Arpad Dobriban
Das Kochen beginnt mit der Zähmung der Elemente, wir sind über unsere Ernährung innig mit ihnen verbunden.
Mit Anmeldung, 75 Euro, 4 Gänge, inkl. Aperitif und Getränke

Samstag, 4. Juli 2026, ab 21 Uhr
Sommerkino im Garten der Burg Lede:
Ruderal Society
ein Film von Markus Heltschl über Lois Weinberger
Mit Anmeldung, Eintritt 8 Euro, Lede-Bar geöffnet ab 21 Uhr

 12. Juli 2016
Gallery Weekend der drei Bonner Galerien Andreae/ Gisela Clement und Parrotta Contemporary Art

Sonntag, 12. Juli  2026, 15 – 17.30 Uhr
Blumenworkshop: Flowers forever?
Trockenblumen-Kränze binden, die auf die zyklische Natur von Wachstum und Vergehen verweisen. Mit unbehandelten Trockenblumen von Mara Linnemann von Aufblühen! Slow Flower Bonn
Mit Anmeldung, 48 Euro

Samstag, 18. Juli 2026, ab 21 Uhr
Sommerkino im Garten der Burg Lede
Burn & Bloom, Kino-Nacht mit Daniel Kothenschulte
Filmkritiker (Monopol, Frankfurter Rundschau) und Stummfilmpianist Daniel Kothenschulte kuratiert und moderiert Filmcollagen seit der Zeit der Avantgarde bis heute.
Mit Anmeldung, Eintritt 8 Euro, Lede-Bar geöffnet ab 21 Uhr

24. Juli 2026, 9.30 – 13.30 Uhr
Kulturrucksack: Ferienprogramm Kinder 12-14 Jahre
Burn and Bloom, Kreativ mit Pflanzen und Keramik im Garten der Burg Lede Pflanzen zeichnen, malen, Duft extrahieren, fotografieren und eine individuelle Vase aus Keramik für Euer Blumenbouquet gestalten und anschließend brennen.
Mit Anmeldung, gefördert durch Kulturrucksack NRW, kostenfrei

9. August 2026, 16 Uhr
Walk & Talk mit der Künstlerin Isabell Kamp – mit anschließendem Praxisteil in der Scheune
Im Mittelpunkt stehen die hybriden Skulpturen von Kamp, in denen sich Finger zu wurzelartigen Formen auswachsen. Inspiriert davon entsteht aus Modelliermasse ein eigenes plastisches Objekt im Spannungsfeld zwischen pflanzlicher Struktur und menschlichem Körperfragment.
Mit Anmeldung, Eintritt 5 Euro, Lede-Bar geöffnet ab 15 Uhr

Donnerstag, 13. August, 18 Uhr
Walk & Talk mit der Kuratorin Birgit Kulmer
Lede-Bar geöffnet ab 15 Uhr
Mit Anmeldung