Porträt_Alwin_Maigler © Sven Cichowicz
Porträt_Alwin_Maigler © Sven Cichowicz

Der Stuttgarter Fotograf Alwin Maigler, seit 2023 Mitglied der DGPh, begeitete für uns künstlerisch fotografisch die DGPh Photography Awards 2025 am 27. September 2025. Die entstandenen Arbeiten und den Fotografen stellen wir Ihnen hier vor.

Zur Fotografie kam Alwin Maigler als Autodidakt. Fotografisch liegt sein Fokus auf den Bereichen Porträt, Mode und Kunst - seit Jahren arbeitet eng mit dem international renommierten Stuttgarter Ballett zusammen. Seine Arbeiten werden international ausgestellt, die beiden Bildände Nuances und Nocturnes – eine Hommage auf den klassischen Bühnentanz – publizierte er  im Kerber-Verlag. Er studiert an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und arbeitet zur Zeit an seiner Abschlussarbeit.

In den frühen Jahren seiner fotografischen Laufbahn stieß Alwin Maigler auf einem Flohmarkt zufällig auf das Buch „Feine Leute“ von Herlinde Koelbl – ein Fund, der sich rückblickend als prägend erwies. Die präzise Bildsprache Koelbls hinterließ einen bleibenden Eindruck, der auch in Maiglers konzeptionellen Überlegungen zur fotografischen Begleitung des DGPh-Events spürbar wird – wenn auch nun beinahe fünf Jahrzehnte nach Erscheinen des Buches. 

Nocturnes © Alwin Maigler
Nocturnes © Alwin Maigler

Alle Arbeiten entstanden analog auf Film. Roh, ungeschönt, frontal geblitzt, schwarz-weiß – „Nichts Neues, aber Originalität ist ohnehin eine Illusion“, so Maigler. Er habe seine Praxis in den vergangenen Jahren konsequent immer mehr auf analoge Prozesse umgestellt – zunächst in der Rezeption über Prints; hierfür arbeitet er unter anderem mit historischen Edeldruck verfahren – oder gesamten Arbeiten die in der Entstehungskette, vom ersten Motiv bis zur fertigen Arbeit analog entstehen. Seit Oktober 2025 ist seine neueste Arbeit barefoot in the grass im Rahmen der Ausstellung Playlist in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Sie wurde vollständig auf Polaroid Material fotografiert. „Nicht gerade billig oder einfach damit zu arbeiten“, sagt Maigler. „Aber der Einladung einer Institution wie der Staatsgalerie mit originalen Polaroids zu antworten, ist eine klare Entscheidung.“ Maigler versteht dies nicht als nostalgisches Bekenntnis, sondern als bewusste, politische Haltung.

barefoot in the grass © Alwin Maigler
barefoot in the grass © Alwin Maigler

Sie ist Ausdruck einer Reaktion auf zwei zentrale Phänomene unserer Gegenwart: zum einen auf die allgegenwärtige, nahezu inflationäre Bilderflut, die über leuchtende RGB-Screens unserer Smartphones rezipiert wird; zum anderen auf die in jüngster Zeit exponentiell gewachsene Präsenz KI-generierter Bilder. So „innovativ“ und „technisch beeindruckend“ diese Entwicklungen auch erscheinen mögen, sieht Maigler in ihnen in den meisten Fällen nur eine Simulation von Kreativität. Sobald Maigler erkennt, dass ein Bild mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden ist, verliert es für ihn seinen Reiz –  es fehlt ihm an Autor*innenschaft, Intention und jener Magie, die ein wirklich fotografisches Bild ausmacht: das Gespür für den Moment, die Komposition und das Einfangen von Licht und Wirklichkeit.

Nuages © Alwin Maigler
Nuages © Alwin Maigler

Maigler sucht in seiner Arbeit nach einem Gegenpol zu dieser Entwicklung. Analoge Fotografie bedeutet für ihn nicht Rückschritt, sondern Verweigerung – ein bewusster Entzug aus einer zunehmend synthetischen Bilderökonomie. Er will nicht mitspielen in einem System, das Authentizität simuliert und Präsenz und Sichtbarkeit algorithmisch berechnet. Für ihn bleibt Fotografie ein Handwerk des Lichts, des Zufalls und der Geduld – ein menschlicher Akt, der gerade durch seine Begrenzung wahrhaftig wird. Das Unwägbare, das Fehlerhafte, das Wirkliche – und damit ein entschiedenes Plädoyer für die Fotografie als das, was sie immer war: ein Zeugnis von Wirklichkeit."

Wie er zur Fotografie gekommen ist, was ihm wichtig ist, worin er die Kraft von Fotografie sieht und mehr wollten wir von Alwin Maigler wissen, um ihn noch ein wenig besser kennen zu lernen. Die Antworten hier:

barefoot in the grass @ Alwin Maigler
barefoot in the grass @ Alwin Maigler

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Ich bin mit 16/17 Jahren zur Fotografie gekommen und habe damals Menschen in meinem Umfeld porträtiert. Als ich dann mit 18 Jahren bei einem Start-Up Modelabel gearbeitet habe, habe ich erstmals die Fotografie auch als Berufsfeld entdeckt und hatte in den ersten fünf Jahren mein Portfolio und Ambitionen auf die Modefotografie ausgelegt. Dies hat sich aber im Rahmen meines Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste verändert.

Welcher Bereich der Fotografie ist aktuell am wichtigsten für Dich?

Ich habe mich fünf Jahre lang fotografisch sehr intensiv mit Bewegung, Tanz und Ballett auseinander gesetzt. Daraus entstanden viele Solo-Ausstellungen in Europa und Asien sowie meine beiden Bücher NUACNES & NOCTURNE. Gleichzeitig arbeite ich aber immer an mehreren Langzeitprojekten. Letztes Jahre habe ich mich in Namibia mit der Deutschen Kolonialgeschichte und der Verantwortung der Kamera im Kolonial-Kontext auseinandergesetzt. In der Staatsgalerie Stuttgart zeige ich bis Januar 2026 eine Strecke die vollständig auf Polaroid entstanden ist und sich mit Fragen von Intimität, Autorenschaft und Gechlechterrollen auseinandersetzt. Ganz aktuell arbeite ich entlang meiner eigenen Familiären Geschichte an einer Arbeit zur Deutsch-Polnischen Beziehung. Meine fotografischen Interessen und Schwerpunkte sind daher sehr vielfältig und unterschiedlich.

barefoot in the grass @ Alwin Maigler
barefoot in the grass @ Alwin Maigler

Welches fotografische Projekt würdest Du in Zukunft gerne umsetzen?

Die Herausforderung und Stärke, die Fotografie zugleich innehat, ist die Verdichtung von vielen Informationen die visuell übersetzt werden. Sehr viele Botschaften verdichtet mit einem Bild aussagen zu können.

Für meine Arbeit über Polen habe ich bereits einige – wenn auch unkonventionelle – Ideen und Konzeptfäden. Aber ich bin recht zuversichtlich, dass sich vieles Tatsächlich umsetzen lassen wird. Bisher gab es nur wenige Ideen, die sich nicht umsetzen ließen.

Nenne uns bitte zwei bis drei Fotobücher oder fotografische Arbeiten, die Dich besonders beeindruckt haben.

Ich bin großer Fan von Rinko Kawauchi’s Fotobuch Illuminance und ihrer Arbeit im Allgemeinen. Ich habe selten in einer Ausstellung geweint; ich konnte eine sehr umfangreiche Präsentation ihrer Arbeit in Kyoto sehen, als ich 2024 auf der Kyotographie war, die mich sehr überwältigte. Ich hatte tatsächlich sogar die Gelegenheit sie dort persönlich zu treffen. Ebenfalls bin ich ein großer Fan der Arbeit von Marie-Laure Decker – sie hatte in diesem Jahr eine großartige Ausstellung im MEP - Maison Européenne de la Photographie in Paris. Sehr wichtig für mich war aber auch der umfangreiche Band von Patrick Demarchelier von Steidl/Dangin.

barefoot in the grass © Alwin Maigler
barefoot in the grass © Alwin Maigler

Welche historische Persönlichkeit der Fotogeschichte hättest Du gerne kennen gelernt oder würdest Du gerne kennen lernen?

Ich hätte unglaublich gerne Helmut Newton kennengelernt. Ich sehe sehr viel Neugier, Verspieltheit und Humor in seiner Arbeit und er war mit Sicherheit ein charismatischer Gesprächspartner.

DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler (Ira Stehmann, Jürgen Wilde)
DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler
DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler
DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler (Kathy Ryan, Rainer Schlautmann
DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler (Mattie Boom)
DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler (Kathy Ryan, Francois Hébel, Scott Thode)
DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler
DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler
DGPh Photography Awards 2027 © Alwin Maigler, Mitglieder des DGPh-Vorstands