75 Jahre DGPh | 75 Interviews | 75 Perspektiven

75 Interviews, geführt mit 75 DGPh-Mitgliedern, eröffnen Einblicke in den inhaltlichen Reichtum der DGPh. Ausgewählt vom Vorstand, stehen sie generationenübergreifend stellvertretend für die vielen Felder der Fotografie, für die Vielfalt der Themen und Blickwinkel innerhalb der DGPh. Gemeinsam zeichnen die Interviews ein facettenreiches Bild ihrer Mitglieder und verweisen gleichzeitig auf die verbindende Kraft der Fotografie. Die Interviews anlässlich des 75-jährigen Bestehens der DGPh führte Ute Noll, Redakteurin und Kuratorin mit Schwerpunkt Fotografie, von der auch das Konzept für die Gesprächsreihe stammt.

Michael Wesely: Ich verstehe mich nicht als kontrollierender Schöpfer

The Museum of Modern Art, New York (9.8.2001 - 2.5.2003) © Michael Wesely, VG-Bildkunst Bonn 2026
The Museum of Modern Art, New York (9.8.2001 - 2.5.2003) © Michael Wesely, VG-Bildkunst Bonn 2026
Michael Wesely zählt zu den international bekanntesten deutschen Fotokünstlern seiner Generation. Seit mehr als drei Jahrzehnten macht er mit extremen Langzeitbelichtungen sichtbar, was das menschliche Auge nicht erfassen kann, vom Wiederaufbau des Potsdamer Platzes über den Umbau des Museum of Modern Art in New York bis zur fünfjährigen Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Frank Schumacher: Fotografie muss heute wegen der KI ausgebildet werden, nicht trotz ihr

Monde Exposé - Pierre © Frank Schumacher
Monde Exposé - Pierre © Frank Schumacher
Am Lette Verein Berlin, einer der traditionsreichsten Fotoschulen Deutschlands, die seit 1890 ausbildet, leitet Frank Schumacher seit 2008 den Fachbereich Fotografie. 2017 erneuerte er dort auf eigene Initiative gemeinsam mit dem Kollegium und der Schulleitung die Ausbildung grundlegend. Zudem entwickelte er für die Zeit Akademie das Online-Seminar Angewandte Fotografie.

Oliver Abraham: Meine Porträts der Serie Freedom of Speech sind politische Dokumente

Marsha Alekhina , 2018 © Oliver Abraham
Marsha Alekhina , 2018 © Oliver Abraham
Oliver Abraham porträtiert seit 2014 in seiner fortlaufenden Serie Freedom of Speech Journalist*innen, Aktivist:innen, Intellektuelle und Künstler*innen, die sich mit Überwachung und Pressefreiheit auseinandersetzen und öffentlich Stellung beziehen, darunter Pussy Riot und Yanis Varoufakis.

Hans-Jürgen Koch und Heidi Koch: Der Blick als fortlaufender Prozess

Armadillo, Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) überquert in der Abenddämmerung eine Landstraße, Hill Country, Texas, USA, 2001. Aus dem Projekt “The Way to Armadillo” über den Siegeszug des Gürteltieres in Texas.
Armadillo, Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) überquert in der Abenddämmerung eine Landstraße, Hill Country, Texas, USA, 2001. Aus dem Projekt “The Way to Armadillo” über den Siegeszug des Gürteltieres in Texas.
Hans-Jürgen Koch und Heidi Koch zählen zu den eigenwilligsten Stimmen der deutschen Fotografie. Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeiten sie gemeinsam und haben eine eigene Bildsprache entwickelt, die sie selbst Lebensformfotografie nennen. Ihre Arbeiten reichen von Hausmäusen und Flöhen über Labortiere und Bisons bis hin zu großen Menschenaffen und verbinden dokumentarische Beobachtung mit wissenschaftlichem Interesse.

Heike Ollertz: Generierte Bilder sind immer schwerer von authentischen zu unterscheiden

Irland
Irland
Heike Ollertz ist Fotografin, Lehrende und Netzwerkerin. Seit März 2023 ist sie Geschäftsführerin des Berufsverbands Freelens, dessen Mitglied sie bereits seit 25 Jahren ist. Von 2014 bis 2023 war sie Professorin für Dokumentarfotografie an der University of Europe for Applied Sciences und ab 2017 Dekanin des Fachbereichs Art & Design in Berlin und Hamburg.

Adelheid Komenda: Die ostdeutsche Fotografie habe ich nicht früh genug verfolgt

LVR-Landesmuseum Bonn, Blick in die Ausstellung Jupp Darchinger, Bonn 2025, Foto: Jürgen Vogel, LVR-Landesmuseum Bonn
LVR-Landesmuseum Bonn, Blick in die Ausstellung Jupp Darchinger, Bonn 2025, Foto: Jürgen Vogel, LVR-Landesmuseum Bonn
Adelheid Komenda ist seit Februar 2021 wissenschaftliche Referentin für den Fachbereich Fotografie am LVR-Landesmuseum Bonn. Sie ist promovierte Kunsthistorikerin und wurde in Sebnitz/Sachsen geboren. Von 2011 bis 2019 war sie für die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig als stellvertretende Geschäftsführerin tätig.

Ruediger Glatz: Im Zentrum steht nicht das Motiv, sondern eine Idee oder ein Gefühl

MAN TO MAN, London 2026 © Ruediger Glatz
MAN TO MAN, London 2026 © Ruediger Glatz
Ruediger Glatz, geboren 1975 in Heidelberg, arbeitet als Künstler und Fotograf mit Schwerpunkt auf dem konzeptionellen Porträt, sein Werk verbindet dokumentarische Fotografie mit Video, Sound und Installation und wird international ausgestellt, unter anderem in Rom und Florenz.

Gerd Ludwig: Seele berühren und Horizont erweitern

An Winterwochenenden bohren Männer Löcher ins dicke Eis des Ural und versuchen ihr Glück beim Angeln. Da sie wissen, wie stark das Lenin-Stahlwerk im Hintergrund den Fluss verschmutzt, verzehren sie ihren Fang in der Regel nicht selbst, sondern verkaufen ihn auf dem Markt. Magnitogorsk, Russland 1993 © Gerd Ludwig
An Winterwochenenden bohren Männer Löcher ins dicke Eis des Ural und versuchen ihr Glück beim Angeln. Da sie wissen, wie stark das Lenin-Stahlwerk im Hintergrund den Fluss verschmutzt, verzehren sie ihren Fang in der Regel nicht selbst, sondern verkaufen ihn auf dem Markt. Magnitogorsk, Russland 1993 © Gerd Ludwig
Gerd Ludwig, geboren 1947 in Alsfeld, zählt zu den prägenden Stimmen der internationalen Autorenfotografie. Seine Langzeitprojekte verbinden journalistische Präzision mit einer klaren ethischen Haltung und einem bewussten Verständnis fotografischer Autorenschaft. Nach dem Studium an der Folkwangschule in Essen, geprägt von Otto Steinert, arbeitete er ab 1984 in den USA für internationale Magazine und wurde Anfang der 1990er‑Jahre Vertragsfotograf von National Geographic. Seit 1992 lebt und arbeitet er in Los Angeles.

Sara-Lena Maierhofer: Am Ende bleibt immer eine Leerstelle

The Great: Amici, Barytprint, 2015 © Sara-Lena Maierhofer, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
The Great: Amici, Barytprint, 2015 © Sara-Lena Maierhofer, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Sara-Lena Maierhofer ist Künstlerin und seit 2025 Professorin für künstlerische Fotografie am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt. Geboren 1982 in Freudenstadt, studierte sie Fotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld. Ihre Diplomarbeit „Dear Clark,“ erschien als Buch. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Museum für Fotografie Berlin, im Foam Fotografiemuseum Amsterdam sowie im Museum of Fine Arts Boston gezeigt.