75 Jahre DGPh | 75 Interviews | 75 Perspektiven

75 Interviews, geführt mit 75 DGPh-Mitgliedern, eröffnen Einblicke in den inhaltlichen Reichtum der DGPh. Ausgewählt vom Vorstand, stehen sie generationenübergreifend stellvertretend für die vielen Felder der Fotografie, für die Vielfalt der Themen und Blickwinkel innerhalb der DGPh. Gemeinsam zeichnen die Interviews ein facettenreiches Bild ihrer Mitglieder und verweisen gleichzeitig auf die verbindende Kraft der Fotografie. Die Interviews anlässlich des 75-jährigen Bestehens der DGPh führte Ute Noll, Redakteurin und Kuratorin mit Schwerpunkt Fotografie, von der auch das Konzept für die Gesprächsreihe stammt.

Rüdiger Glatz: Im Zentrum steht nicht das Motiv, sondern eine Idee oder ein Gefühl

MAN TO MAN, London 2026 © Ruediger Glatz
MAN TO MAN, London 2026 © Ruediger Glatz
Ruediger Glatz, geboren 1975 in Heidelberg, arbeitet als Künstler und Fotograf mit Schwerpunkt auf dem konzeptionellen Porträt, sein Werk verbindet dokumentarische Fotografie mit Video, Sound und Installation und wird international ausgestellt, unter anderem in Rom und Florenz. Unter dem Namen Ruedione war er zunächst Graffiti-Writer und wurde unter diesem Namen auch als Fotograf in der Szene bekannt. 1996 war er Mitgründer einer Vertriebsfirma für Sprühfarben, aus der die Marke MONTANA CANS hervorging und die er bis 2011 leitete. 2000 fand er zur Fotografie, ab 2007 machte er sie zu seinem Lebensmittelpunkt, mit mehreren Buchpublikationen, zuletzt KAMENICA: A Portrait of Chemnitz (2025) bei Kehrer. 2025 gründete er den Verlag BALD BOOKS, bei dem 2026 sein Buch ON STYLEWRITING erschien. Seit 2012 begleitet er Tilda Swinton fotografisch bei ihrer performativen Zusammenarbeit mit dem Modehistoriker und Kurator Olivier Saillard, von Impossible Wardrobes (Rizzoli, 2015) über Sur-Exposition (2016, mit Charlotte Rampling) bis A Biographical Wardrobe (2025). Er lebt in Hamburg, leitet die Agentur BALDHAUS, ist Mitgründer des Kunstmarkt-Start-ups COLLEKTON und seit September 2025 Vorsitzender der DGPh.

Gerd Ludwig: Seele berühren und Horizont erweitern

An Winterwochenenden bohren Männer Löcher ins dicke Eis des Ural und versuchen ihr Glück beim Angeln. Da sie wissen, wie stark das Lenin-Stahlwerk im Hintergrund den Fluss verschmutzt, verzehren sie ihren Fang in der Regel nicht selbst, sondern verkaufen ihn auf dem Markt. Magnitogorsk, Russland 1993 © Gerd Ludwig
An Winterwochenenden bohren Männer Löcher ins dicke Eis des Ural und versuchen ihr Glück beim Angeln. Da sie wissen, wie stark das Lenin-Stahlwerk im Hintergrund den Fluss verschmutzt, verzehren sie ihren Fang in der Regel nicht selbst, sondern verkaufen ihn auf dem Markt. Magnitogorsk, Russland 1993 © Gerd Ludwig
Gerd Ludwig, geboren 1947 in Alsfeld, zählt zu den prägenden Stimmen der internationalen Autorenfotografie. Seine Langzeitprojekte verbinden journalistische Präzision mit einer klaren ethischen Haltung und einem bewussten Verständnis fotografischer Autorenschaft. Nach dem Studium an der Folkwangschule in Essen, geprägt von Otto Steinert, arbeitete er ab 1984 in den USA für internationale Magazine und wurde Anfang der 1990er‑Jahre Vertragsfotograf von National Geographic. Seit 1992 lebt und arbeitet er in Los Angeles.

Sara-Lena Maierhofer: Am Ende bleibt immer eine Leerstelle

The Great: Amici, Barytprint, 2015 © Sara-Lena Maierhofer, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
The Great: Amici, Barytprint, 2015 © Sara-Lena Maierhofer, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Sara-Lena Maierhofer ist Künstlerin und seit 2025 Professorin für künstlerische Fotografie am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt. Geboren 1982 in Freudenstadt, studierte sie Fotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld. Ihre Diplomarbeit „Dear Clark,“ erschien als Buch. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Museum für Fotografie Berlin, im Foam Fotografiemuseum Amsterdam sowie im Museum of Fine Arts Boston gezeigt.

Karen Fromm: Bilder sind Schauplatz von Macht

Jury-Sitzung für Hannover Shots in der Sparkassenstiftung Hannover. Das Kunstwerk im Hintergrund heißt Hard Rain von Eberhard Eckerle (nicht VG Bild-Kunst). © Roman Bezjak.
Jury-Sitzung für Hannover Shots in der Sparkassenstiftung Hannover. Das Kunstwerk im Hintergrund heißt Hard Rain von Eberhard Eckerle (nicht VG Bild-Kunst). © Roman Bezjak.
Karen Fromm, 1968 in Hamburg geboren, studierte Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften sowie Kultur- und Medienmanagement und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin zum Thema „Das Bild als Zeuge. Inszenierungen des Dokumentarischen in der künstlerischen Fotografie seit 1980“. Nach Stationen bei der Galerie Pfefferberg in Berlin, dem Verlagshaus Gruner + Jahr und der Photo- und Presseagentur Focus lehrt sie seit 2011 als Professorin an der Hochschule Hannover im Studiengang Visual Journalism and Documentary Photography.

Sebastian Lux: Die Fotografie muss sinnlich sein

F.C. Gundlach, Op Art-Badeanzug, Brigitte Bauer, Sinz Bademoden, Vouliagmeni, 1966 © F.C. Gundlach / Stiftung F.C. Gundlach
F.C. Gundlach, Op Art-Badeanzug, Brigitte Bauer, Sinz Bademoden, Vouliagmeni, 1966 © F.C. Gundlach / Stiftung F.C. Gundlach
Sebastian Lux ist seit 2003 in der Stiftung F.C. Gundlach in Hamburg tätig, die er seit 2012 als Geschäftsführender Vorstand leitet. In enger Zusammenarbeit mit Gundlach hat er die Stiftung zu einer international vernetzten Institution für die Bewahrung und Vermittlung fotografischer Archive ausgebaut. Die Stiftung betreut heute neben dem Werk F.C. Gundlachs bedeutende fotografische Vor- und Nachlässe, darunter die Nachlässe von Peter Keetman, Reinhart Wolf und Andreas Herzau sowie den Vorlass von Henrik Spohler.

Esther Haase: Der Zufall in der Inszenierung ist mein bester Freund

The red dress Elie Saab Haute Couture, Paris 2018 © Esther Haase
The red dress Elie Saab Haute Couture, Paris 2018 © Esther Haase
Esther Haase, geboren in Bremen, arbeitet seit 1993 international als Fotografin. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Modefotografie, die sie mit einer unverwechselbaren Bildsprache prägt. Daneben arbeitet sie in den Bereichen Porträt und Reportage. Nach einer klassischen Tanzausbildung studierte sie Grafikdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule für Künste Bremen.

Barbara Klemm: Sehen lernen von der Malerei

Demonstration gegen die Startbahn West, Frankfurt am Main, 1981 © Barbara Klemm
Demonstration gegen die Startbahn West, Frankfurt am Main, 1981 © Barbara Klemm
Barbara Klemm, geboren 1939 in Münster, zählt zu den prägenden Stimmen der deutschen Fotografie und hat die visuelle Erinnerung der Bundesrepublik über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgestaltet. Als Fotografin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat sie politische, gesellschaftliche und alltägliche Situationen beobachtet und in Bilder übertragen. Die Arbeiten sind geprägt von Zurückhaltung, Genauigkeit und Respekt vor dem Gezeigten sowie einer fotografischen Haltung, die sich weniger am einzelnen Bild als an Zeit, Wahrnehmung und Zusammenhang orientiert.

Juliane Rückriem: Abwesenheit ist keine Leere, sondern eine Spur

Passage Nantes © Juliane Rückriem
Passage Nantes © Juliane Rückriem
Juliane Rückriem, 1966 in Buir im Rheinland geboren, fotografiert seit ihrem sechzehnten Lebensjahr. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln war Fotografie in ihren verschiedenen beruflichen Stationen ein stetig wachsender Bestandteil, bis sie sich ihr schließlich ganz widmete. Seit rund zwanzig Jahren verfolgt sie freie fotografische Projekte, die sich mit Architektur auseinandersetzen: Parkhäuser und Tiefgaragen, Schwimmbäder, historische Passagen, Metrostationen, Gewächshäuser.