75 Jahre DGPh | 75 Interviews | 75 Perspektiven

75 Interviews, geführt mit 75 DGPh-Mitgliedern, eröffnen Einblicke in den inhaltlichen Reichtum der DGPh. Ausgewählt vom Vorstand, stehen sie generationenübergreifend stellvertretend für die vielen Felder der Fotografie, für die Vielfalt der Themen und Blickwinkel innerhalb der DGPh. Gemeinsam zeichnen die Interviews ein facettenreiches Bild ihrer Mitglieder und verweisen gleichzeitig auf die verbindende Kraft der Fotografie. Die Interviews anlässlich des 75-jährigen Bestehens der DGPh führte Ute Noll, Redakteurin und Kuratorin mit Schwerpunkt Fotografie, von der auch das Konzept für die Gesprächsreihe stammt.

Fotografie ist großer Literatur ebenbürtig, wenn sie sich mit der menschlichen Existenz auseinandersetzt

Meg Partridge (Enkelin Imogen Cunningham) und Celina Lunsford, Vorbereitung Mapfre Imogen Cunningham Exhibition 2012 c. Robert Harrison, 2016
Meg Partridge (Enkelin Imogen Cunningham) und Celina Lunsford, Vorbereitung Mapfre Imogen Cunningham Exhibition 2012 c. Robert Harrison, 2016
Seit 1992 leitet Celina Lunsfordkünstlerisch das Fotografie Forum Frankfurt und kuratiert dessen Programm. Zu einer Zeit, als die Trennung zwischen künstlerischer und angewandter Fotografie noch weit verbreitet war, machte sie keinen Unterschied zwischen beiden: Street Photography, Musik- und Modefotografie und inszenierte Arbeiten stehen im Programm, von Imogen Cunningham über Stephen Shore, Wolfgang Zurborn und Viviane Sassen bis Aïda Muluneh.

Thomas Gerwers: Jede neue Technik verändert grundlegend die fotografische Kultur

Thomas Gerwers © Jürgen Bode
Thomas Gerwers © Jürgen Bode
Thomas Gerwers ist seit 1991 Chefredakteur der Fachzeitschrift Profifoto, die heute ausschließlich digital erscheint, und engagiert sich seit Jahrzehnten für die Fotografie und ihre kulturpolitischen Rahmenbedingungen. Mit dem 2006 initiierten Canon ProfiFoto Förderpreis, aus dem später der Profifoto New Talent Award hervorging, setzte er wichtige Impulse für die Förderung fotografischer Nachwuchstalente.

Gottfried Jäger: Ich wollte etwas Neues, Eigenes schaffen

Gottfried Jäger, Lochblendenstruktur 3.8.14 F3.4. 1967 Silbergelatine-Abzug, 25 x 25 cm; VG-BildKunst Bonn
Gottfried Jäger, Lochblendenstruktur 3.8.14 F3.4. 1967 Silbergelatine-Abzug, 25 x 25 cm; VG-BildKunst Bonn
Gottfried Jäger zählt zu den international prägenden Fotografen und Theoretikern der konkreten und generativen Fotografie. Geboren 1937 in Burg bei Magdeburg, entwickelt er seit den 1960er Jahren systematisch abbildungsfreie Bilder, die durch gezielte Veränderungen ihrer Voraussetzungen entstehen und in denen nicht Motive, sondern die fotografischen Mittel selbst in ihrer Wirkungsweise nachvollziehbar sichtbar werden. Jäger bestimmt die Identität der Fotografie über Licht - als Träger des Farbspektrums -, Zeit, Apparat und Trägermaterial.

Simone Klein: „Eine Auktion ist ein Theaterstück, und der Auktionator kann fast über Leben und Tod entscheiden.“

Porträt Simone Klein © Laurence Mary
Porträt Simone Klein © Laurence Mary
Simone Klein arbeitet als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige, Kunstberaterin und Kuratorin für Fotografie und präsentiert seit 2021 zudem in ihrem eigenen Showroom klassische und zeitgenössische Positionen der Fotografie, darunter Loredana Nemes, Cosima Hawemann und Dora Maar. Zuvor war sie in der Kölner Galerie Kicken tätig, einer der international renommiertesten Galerien für Fotografie. Ihre Expertise gründet auf jahrzehntelanger Erfahrung im internationalen Kunstmarkt.

Michael Wesely: Ich verstehe mich nicht als kontrollierender Schöpfer

The Museum of Modern Art, New York (9.8.2001 - 2.5.2003) © Michael Wesely, VG-Bildkunst Bonn 2026
The Museum of Modern Art, New York (9.8.2001 - 2.5.2003) © Michael Wesely, VG-Bildkunst Bonn 2026
Michael Wesely zählt zu den international bekanntesten deutschen Fotokünstlern seiner Generation. Seit mehr als drei Jahrzehnten macht er mit extremen Langzeitbelichtungen sichtbar, was das menschliche Auge nicht erfassen kann, vom Wiederaufbau des Potsdamer Platzes über den Umbau des Museum of Modern Art in New York bis zur fünfjährigen Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Frank Schumacher: Fotografie muss heute wegen der KI ausgebildet werden, nicht trotz ihr

Monde Exposé - Pierre © Frank Schumacher
Monde Exposé - Pierre © Frank Schumacher
Am Lette Verein Berlin, einer der traditionsreichsten Fotoschulen Deutschlands, die seit 1890 ausbildet, leitet Frank Schumacher seit 2008 den Fachbereich Fotografie. 2017 erneuerte er dort auf eigene Initiative gemeinsam mit dem Kollegium und der Schulleitung die Ausbildung grundlegend. Zudem entwickelte er für die Zeit Akademie das Online-Seminar Angewandte Fotografie.

Oliver Abraham: Meine Porträts der Serie Freedom of Speech sind politische Dokumente

Marsha Alekhina , 2018 © Oliver Abraham
Marsha Alekhina , 2018 © Oliver Abraham
Oliver Abraham porträtiert seit 2014 in seiner fortlaufenden Serie Freedom of Speech Journalist*innen, Aktivist:innen, Intellektuelle und Künstler*innen, die sich mit Überwachung und Pressefreiheit auseinandersetzen und öffentlich Stellung beziehen, darunter Pussy Riot und Yanis Varoufakis.

Hans-Jürgen Koch und Heidi Koch: Der Blick als fortlaufender Prozess

Armadillo, Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) überquert in der Abenddämmerung eine Landstraße, Hill Country, Texas, USA, 2001. Aus dem Projekt “The Way to Armadillo” über den Siegeszug des Gürteltieres in Texas.
Armadillo, Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) überquert in der Abenddämmerung eine Landstraße, Hill Country, Texas, USA, 2001. Aus dem Projekt “The Way to Armadillo” über den Siegeszug des Gürteltieres in Texas.
Hans-Jürgen Koch und Heidi Koch zählen zu den eigenwilligsten Stimmen der deutschen Fotografie. Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeiten sie gemeinsam und haben eine eigene Bildsprache entwickelt, die sie selbst Lebensformfotografie nennen. Ihre Arbeiten reichen von Hausmäusen und Flöhen über Labortiere und Bisons bis hin zu großen Menschenaffen und verbinden dokumentarische Beobachtung mit wissenschaftlichem Interesse.

Heike Ollertz: Generierte Bilder sind immer schwerer von authentischen zu unterscheiden

Irland
Irland
Heike Ollertz ist Fotografin, Lehrende und Netzwerkerin. Seit März 2023 ist sie Geschäftsführerin des Berufsverbands Freelens, dessen Mitglied sie bereits seit 25 Jahren ist. Von 2014 bis 2023 war sie Professorin für Dokumentarfotografie an der University of Europe for Applied Sciences und ab 2017 Dekanin des Fachbereichs Art & Design in Berlin und Hamburg.