Dr. Wilfried Wiegand - ein Nachruf

Wir trauern um Dr. Wilfried Wiegand, unser geschätztes Mitglied und unseren Kulturpreisträger im Jahr 2005, der am 8. Mai 2020 im Alter von 83 Jahren verstarb.

Der Kunsthistoriker, der als Journalist, Filmkritiker und Kulturkorrespondent lange Zeit für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb, und dem 2017 die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dresden verliehen wurde, ist von der DGPh aufgrund seiner Tätigkeiten als Photographie-Kritiker, Autor und vor allem auch als Photographie-Sammler mit dem Kulturpreis gewürdigt worden.

Seine beiden Publikationen Frühzeit der Photographie: 1826-1890 (Societäts-Verlag Frankfurt, 1980) und Die Wahrheit der Photographie. Klassische Bekenntnisse zu einer neuen Kunst (Fischer, Frankfurt, 1981) gehören zu den frühen medientheoretischen Abhandlungen zur Fotografie in Deutschland. Mit der Photographie des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts thematisieren sie ein Sammelgebiet, welches zum Zeitpunkt ihres Erscheinens noch in den Kinderschuhen steckte.

Diese Texte und auch Wilfried Wiegands hochinteressante Beiträge in der FAZ zeugen von seinem fundierten Wissen und seinem sensiblen kulturellen Verständnis der Photographie - er selbst nannte diesen Ansatz einmal „kulturgeschichtliches Assoziieren“ - als eigenständige Kunstform. Auch die exquisite Sammlung, die Wilfried Wiegand seit den 1970er Jahren gemeinsam mit seiner Frau Uta zusammentrug, spiegelt diese profunde kunsthistorische Kenntnis und den elegant klassischen Geschmack sowie den Anspruch auf höchste Qualität wider. Die Sammlung - sie enthält unter anderem Arbeiten von Roger Fenton, Gustave Le Gray, Eugène Atget, Dora Maar, Edward Steichen und Albert Renger-Patzsch - wurde 2011 vom Städel Museum in Frankfurt erworben.

Das Ehepaar Wiegand war mit L. Fritz und Renate Gruber besonders freundschaftlich verbunden. In seiner bewegenden Gedenkrede auf der Trauerfeier für L.Fritz Gruber im April 2005 in Köln erwähnte Wilfried Wiegand besonders den Schönheitssinn seines Freundes und Kollegen. Mit Wilfried Wiegand verlieren wir eine besondere Persönlichkeit, für die Ästhetik und Kontemplation bedeutsam war, schließlich einen feinsinnigen, brillanten Vertreter der hohen Schule des Betrachtens, des Vermittelns und des Sammelns von Photographie. Wir werden ihn sehr vermissen.

Foto: © Barbara Klemm