Aktuelle Bücher im Januar 2018

Norbert Rosing (DGPh)
Mein wildes Deutschland

288 Seiten, ca. 250 Abbildungen
National Geographic
ISBN: 978-3-86690-539-9; 50 Euro

Seit fast 30 Jahren ist Norbert Rosing unterwegs im wilden Deutschland, seine Photographie ist längst Legende. Ob rollende Wellen auf Helgoland, leuchtende Buchenwälder oder in den Alpen: Dieser Bildband wandert durch alle Jahreszeiten und Regionen, präsentiert die letzten Oasen der Wildnis in Deutschland und bietet einen Blick in die Schatzkiste eines legendären National Geographic Photographen. Rosing entdeckte schon früh seine Leidenschaft für die Naturphotographie. Als erfolgreicher Photograph bereiste er Skandinavien, Kanada, die USA und viele weitere Länder. Berühmt wurde er mit seinem Bildband über Eisbären. Er hat bereits mehr als 15 Bildbände veröffentlicht.

 

Peter Bialobrzeski
Beirut Diary

112 Seiten, 4 Colour Offset, Englisch
The Velvet Cell
ISBN: 978-1-908889-40-9; 30 Euro

Im sechsten Buch seiner City Diary Serie widmet sich Peter Bialobrzeski, Dr.-Erich-Salomon-Preisträger 2012, der Stadt Beirut. “I cross a road I am not supposed to cross. […] As I walk towards the building, I am spotted by a man who runs a coffee stall in the basement. His initial communication over 50 yards is the international sign for ‘come here and we’ll cut your throat’."

 

 

Rudolf Holtappel
Umbrüche

144 Seiten, 120 SW-Abbildungen
Verlag der Stiftung Situation Kunst
ISBN: 978-3-941778-12-2; 28 Euro

Das Buch "Umbrüche" stellt verschiedene Werkgruppen von Rudolf Holtappel (1923-2013) in Form einer Retrospektive vor. Drei thematische Gruppen ergeben sich dabei, die Arbeitswelt als Ort und mit den „Malochern“, die Lebenssituation verschiedener Bevölkerungsgruppen im Ruhrgebiet und ihr „Freizeitvergnügen“ und als Referenzbild zu diesen Werkgruppen „Pluto“, das als historischer Rückblick, aber auch als „Ikon“ für die weitere Auseinandersetzung mit dem Ruhrgebiet dienen kann. Der Titel „Umbrüche“ ist irreführend, denn die Photographien zeigen die heile Ruhrgebietswelt mit allen Klischees! Das Buch ist vielmehr ein Denkmal für eine Epoche, die von der Schwerindustrie geprägt war und für die Menschen, die diese Epoche gestalteten. Die Photographien zeigen eine Arbeits- und Alltagswelt, die vom Miteinander der Menschen der Solidarität bestimmt ist, ein Lebensgefühl, das heute weitgehend verlorengegangen ist. Er lebte in der Region und hat sich mit den Menschen identifizierte. Daher sind seine Photographien von großer Intensität, bei denen die Freizeit in Form von Taubenvater und Schrebergarten nicht fehlen darf. Doch auf Grund seiner Kenntnisse als Reportage- und Theaterphotograph gestaltete er auch klischeehaft-allgemeine Bilder mit besonderer Sensibilität. Dies ist sicher darin begründet, dass er mit einer humanen Grundhaltung stets die Menschenwürde in seinen Photographien bewahrte. Das Buch ist aber nicht nur einen Hommage an einen bedeutenden Photographen, sondern zum Zeitpunkt der Stilllegung der letzten beiden Steinkohlezechen in Deutschland auch ein Ausrufezeichen für eine beendete Ära. Ein sehr empfehlenswertes Buch für diese Zeitepoche, aber auch für die klassische SW Photographie. (DB) (Ausstellung: bis 25. März 2018 im Museum unter Tage, Bochum; 5. April – 27. Mai 2018 im Willy-Brandt-Haus, Berlin)

 

Günter Bersch
Passion

160 Seiten, s/w- und Farbabb.
Mitteldeutscher Verlag
ISBN 978-3-95462-982-4

Günter Bersch versucht, Photokunst und Bildreportage zu vereinen. Leise und analytisch entblättert er dabei die Realität hinter dem Abgelichteten. Dies gilt sowohl für seine Photos zu Zeiten der DDR wie auch für die des Umbruchs und Neuaufbaus nach 1990. Als Hausphotograph der Illustrierten "Für Dich" lichtet er in den 1980er Jahren den "realen Sozialismus" ab und nimmt dabei immer auch Tuchfühlung zu seinen Gegenübern auf. »Es gehört zu meinem Prinzip, dass ich mir erst von Menschen ein Bild mache, bevor ich ein Bild mache«, beschreibt er seine Arbeit. Eine Einstellung, die ihn immer wieder zu seinen Protagonisten zurückkommen lässt, um ihre Freuden und Anstrengungen am Leben zu dokumentieren. Bersch ist ein von Leidenschaft für seine Photos Getriebener. Er eckt an, bewahrt Haltung und lotet die Möglichkeiten als Illustrierten-Photograph in der DDR aus. Er sucht nach starken Charakteren und einer Heimat, die es zu photographieren lohnt. Dabei misstraut er stets dem ersten Blick: Er kommt den Menschen nahe und behält doch Distanz. Seine zumeist schwarzweißen Bilder haben bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren.

 

Silja Yvette
Season of Admin

120 Seiten, 32 farbige Abbildungen
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-0417-0; 36 Euro

Feinfühlig, unheimlich und scharfsinnig zugleich – die Photographien von Silja Yvette (*1986) „regen zu einer Reihe von Assoziationen an, die von ironischer Reflexion über elegische Anspielungen, die Fragilität des Seins bis zu einer gewissen Sehnsucht nach dem Elementaren reichen." (Annekathrin Müller, Deutsche Börse Photography Foundation). Ausgangspunkt von Season of Admin ist ein Unbehagen an gesellschaftlich organisierten und verwalteten Beziehungen zur Natur und zu den Dingen. Auf der einen Seite handeln die Bilder von Themen der Selbstbeschreibung eines autonomen Subjekts. Auf der anderen Seite von der Handlungsmacht der Dinge. Die neue Publikation umfasst eindrucksvolle photographische Tableaus, die durch unterschiedliche Papierqualitäten die Publikation zu einem Künstlerbuch machen.

 

Michael Kenna
Holga

152 Seiten, 118 s/w Abbildungen, Englisch
Prestel Verlag
ISBN: 978-3-7913-8377-4; 49,95 Euro

Der neueste Bildband von Michael Kenna ist eine Liebeserklärung an einen in vieler Hinsicht ungewöhnlichen Photoapparat. Ohne viel Schnickschnack und billig produziert kam die Holga 1982 in Hong Kong auf den Markt. Mit seiner einfachen Plastiklinse und nur einer Verschlusszeit war das Gerät für Laien gedacht, die ihre Urlaubserlebnisse mit einem schnellen Klick festhalten wollen. Die wussten die besondere Ästhetik der Bilder allerdings weit weniger zu schätzen als Kunstphotographen, bei denen die Mittelformatkamera schnell zu einem ihrer bevorzugten Werkzeuge avancierte. Michael Kenna ist seit rund dreißig Jahren mit der Holga unterwegs. Ihn reizt gerade die Unberechenbarkeit der Kamera, die durch extreme Vignettierung, Unschärfen und unregelmäßige Lichtflecken faszinierende und immer wieder überraschende Resultate liefert. Aus seinem großen Holga-Archiv hat der Photograph jetzt seine 80 besten Aufnahmen ausgewählt. Mit einem Mix aus surrealer Intensität und ätherischer Leichtigkeit erzeugen die eleganten Schwarz-weiß-Motive eine so berührende Stimmung, dass man sich unwillkürlich fragt, wie man mit einer so unspektakulären Kamera so schöne Bilder machen kann.

 

Peter Lindbergh
Shadows on the Wall

292 Seiten
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-6937-8; 79,99 Euro
Peter Lindbergh ist zweifellos einer der einflussreichsten Modephotographen der letzten Jahrzehnte. Seine nahezu antimodischen Arbeiten, die auf Zeitgeist, Realismus, Persönlichkeit und Ausdrucksstärke seiner Models setzen, statt unmögliche Ideale zu propagieren, revolutionierten das Frauenbild. Denn im Gegensatz zu den meisten Photographen seiner Zeit distanziert er sich von einer Modephotographie, die sich der Illusion von der ewigen Jugend und Perfektion verschrieben hat, die Lindbergh irreführend und inhuman nennt. Auch mit den Arbeiten in dem Buch „Shadows on the Wall“ will Lindbergh Schönheitsnormen neu definieren. Es versammelt individuelle, ästhetisch bestechende  Porträts der heute interessantesten und talentiertesten Schauspielerinnen der Welt, ausgewählt aus 37.000 bisher unveröffentlichten Photos für den von ihm gestalteten, bahnbrechenden Pirelli-Kalender 2017. Prominente Frauen mit klugen Köpfen werden schlicht, nahbar und auf mitreißende Art dargestellt – mitsamt ihrer Poren, Fältchen, Sommersprossen und allem, was dazugehört. Anstelle einer traditionell auf Nacktheit konzentrierten Ästhetik und einer Riege vermeintlich makelloser Supermodels nahm er 14 Hollywood-Schauspielerinnen, darunter elf Oscar-Preisträgerinnen,  mit denen ihn eine jahrelange, enge und persönliche Beziehung verbindet, vor die Linse. Die Botschaft von Peter Lindberghs Photographien ist einfach: Die intimen Bilder verteidigen eine Schönheit, die von starker Individualität spricht, von der eigenen Sensibilität, vor allem aber dem Mut, man selbst zu sein. (vZ)

 

Georg Stefan Troller
Ein Traum von Paris

176 Seiten mit zahlreichen Schwarzweiß-Abbildungen
Corso Verlag
ISBN: 978-3-7374-0743-4; 19 Euro

Anfang der 1950er Jahre hatte Georg Stefan Troller, 1921 in Wien als Sohn eines jüdischen Pelzhändlers geboren, beim Anschluss Österreichs an das „Dritte Reich“ zunächst nach Frankreich und dann in die USA emigriert, einen Job zunächst als amerikanischer, später als deutscher Radiokorrespondent in Paris. Die Stadt und deren Bewohner hatte er „funkmäßig“ zu beschreiben - obwohl ihm Paris zunächst unheimlich erschien: „Eine Stadt, die mich missbilligte“. Zusätzlich zu dieser Arbeit ging er photographieren und erkundete die Stadt, Sonntag für Sonntag und manchmal erst spät am Abend. In der Hand seine Kamera und um den Hals den Belichtungsmesser lernte er nach und nach die verschiedenen Stadtviertel kennen: Das Seineufer, das historische Zentrum, das Marais, die Marktstraßen um die Rue Mouffetard, die Butte aux Cailles, den Place Clichy und die Boulevards am Fuß des Montmartre sowie schließlich die verborgenen Sträßchen und Gässchen des Pariser Ostens zwischen dem Park Buttes Chaumont und dem Friedhof Père Lachaise. Weniger zogen ihn die klassischen Pariser Motive als vielmehr das unbekannte Paris an, die dem Abriss geweihten Viertel des historischen Stadtkerns und der östlichen Vorstadtbezirke. Hunderte von Schwarzweiß-Photos hat er dabei geschossen, die Filme anschließend entwickelt und die Bilder in dem legendären, von Pierre Gassmann betriebenen Photolabor Picto vergrößern lassen – und dann vergessen. Bis vor einigen Monaten seine Tochter in seinem früheren Domizil stöberte und sie in einem verborgenen Winkel der Wohnung entdeckte. In dem im Corso-Verlag, Wiesbaden, unter dem Titel „Ein Traum von Paris“, Untertitel „Frühe Texte und Fotografien“ erschienenen Büchlein sind den Photographien aus den 1950er Jahren Essays aus einigen seiner teilweise längst vergriffenen Bücher vorangestellt. Sie erinnern an ein verlorenes Paris, dem sich der Journalist letztlich in Dankbarkeit verbunden fühlt. Dem deutschen Publikum bekannt wurde Georg Stefan Troller durch seine Fernsehserien ‚Pariser Journal‘, vor allem aber ‚Personenbeschreibung‘, wofür er 1975 mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der DGPh ausgezeichnet wurde; den Journalisten und Schriftsteller ehrte die Stadt Mannheim 2014 mit ihrem Schillerpreis. (vZ)

 

Milli Bau
Seidenstraße 1956-1974

216 Seiten, 215 s/w Abbildungen
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-0389-0; 40 Euro

1956 brach die Journalistin und Photographin Milli Bau auf, um die Länder der Seidenstraße mit einem VW-Bus zu erkunden. An manchen Orten hielt sie sich länger auf, andere streifte sie nur. Später lebte sie sieben Jahre als Korrespondentin in Teheran. Ihre Rolleiflex und ihr Tagebuch begleiteten sie auf ihrer außergewöhnlichen Reise in Länder, die heute teils kaum noch zu bereisen sind. In ihren Photographien ist fast 20 Jahre Kultur- und Zeitgeschichte zu sehen. Die Publikation ist ein zeithistorisches Dokument einer reisenden Journalistin, die in den 1950er-Jahren Deutschland verließ und sich in der Welt wiederfand. Milli Bau ist ein außergewöhnliches Beispiel für ein Frauenleben, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.

 

Giovanni Fanelli
Rom - Porträt einer Stadt

Texte: Englisch, Deutsch, Französisch
486 Seiten mit über 500 Photographien
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-6271-3; 49,99 Euro

Dieses schwergewichtige und großformatige photographische Porträt von Rom versammelt Hunderte von Aufnahmen von 1839 bis heute und präsentiert die Geschichte, die Kunst und die Schönheit dieser unvergleichlichen Hauptstadt der Kultur. Der opulente Bildband ist gegliedert in fünf Zeitepochen: 1839 bis 1870 - von der Kapitale des Kirchenstaates zur Hauptstadt Italiens, 1871 bis 1918 - zwischen Repräsentation und Rückständigkeit, 1919 bis 1944 - Licht und Schatten: die Jahre des Faschismus, 1945 bis 1967 - Neorealismus, Dolce Vita, Wirtschaftswunder, und 1968 bis heute - von den ‚bleiernen‘ Jahren bis in die Gegenwart. Jedem Kapitel stellt Giovanni Fanelli, Professor für Architekturgeschichte an der Universität Florenz und Autor zahlreicher Bücher, eine Einführung in die jeweilige Epoche voran, die durch Zitate berühmter Zeitgenossen  - Dichter, Schriftsteller, Journalisten, Künstler oder auch Photographen – angereichert werden. Mit gut 500 Photographien in Sepia, Schwarzweiß, und Farbe präsentiert der Band Arbeiten von Photographen wie Slim Aarons, Bruno Barbey, Robert Capa,  Henri Cartier-Bresson, Alfred Eisenstaedt, Elliot Erwitt, Leonard Freed, Horst P. Horst, Franz Hubmann, William Klein, Peter Lindbergh, Herbert List,  Steve McCurry, Martin Parr, Bettina Rheims, David Seymoure oder Paul Wolff, aber auch traditionsreicher Bildarchive. Die Aufnahmen  beleuchten die Ewige Stadt aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln: als Mittelpunkt des Imperium Romanum, als Geburtsstätte der Renaissance, als Reiseziel der Jahrhunderte, als buntes Patchwork der römischen Stadtviertel, als Stadt des Papstes und Machtzentrale der katholischen Kirche, als politische Bühne Italiens und als perfekte Kulisse für Film und Mode. Kurzbiographien der Photographen sowie Empfehlungen für Filme, Musik und Literatur zur Metropole Rom beschließen den Band. (vZ)

 

Erik-Jan Ouwerkerk (Photos)
Hans Stimmann (Text)

Stadt. Volk. Park.
180 Seiten mit 155 farbigen Abbildungen und Plänen
Wassmuth Verlag
ISBN 978-3-8030-0823-7; 35 Euro

Die Idee zur Anlage „öffentlicher Gärten“ – den späteren Volksparks – stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und war nach dem Motto „Betreten des Rasens erwünscht“ quasi eine Aufforderung zu ihrer ausdrücklichen Benutzung. Dieses Ziel ist mittlerweile erreicht. Allerdings nicht nur das, denn es hat sich bei der Nutzung öffentlicher Parkanlagen und Plätze durch die heutigen Stadtbewohner viel geändert. Nicht nur Hierarchien, Klassenschranken und kulturell begründete Barrieren zwischen verschiedenen Lebensstilen haben sich bei der Parkbenutzung verflüchtigt, auch das Verhalten in der Öffentlichkeit hat sich grundlegend gewandelt. Heute bespricht man im öffentlichen Raum nicht nur lautstark private Angelegenheiten, sondern erledigt auch andere vormals in privaten Räumen angesiedelte Dinge auf den Rasenflächen und Parkbänken. War die Nutzung von Bürgerwiesen in öffentlichen Parks Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein emanzipatorischer Akt, kennt ihr heutiger oft maßloser Gebrauch kaum noch Grenzen. Das Buch „Stadt. Volk. Park.“ stellt nach einer ausführlichen Einführung insgesamt neun ausgewählte Parkanlagen der bundesdeutschen Hauptstadt Berlin in Wort und Bild vor. Hans Stimmann, ehemals Architekt in Frankfurt, Bausenator in Lübeck und seit 2007 Honorar-Professor am Deutschen Institut für Stadtbaukunst der TU Dortmund, schildert anhand der jeweiligen Pläne deren Lage, Größe und Geschichte sowie deren Gartenarchitekten und Planungszeit. Dies wird ergänzt mit das Leben in den Parks mit all ihren Absurditäten zeigenden  Photos, die von dem in Leiderdorp (Niederlande) geborenen, seit Jahren in Berlin lebenden Photographen Erik-Jan Ouwerkerk aufgenommen wurden. Dargestellt werden die Art und Intensität der Nutzung, die die eigentliche Schönheit oft verschwinden lassen. Es wird damit auch das Dilemma gartenarchitektonischer Positionen sichtbar: einerseits sich damit zu begnügen, gestalterisch alles offen zu lassen, um eine flexible Nutzung zu ermöglichen, andererseits aber auch Tendenzen hin zu einer „Natur der vierten Art“ abzuwehren. Die Wertschätzung traditioneller Volksgärten und Volksparks, in der Schönheit und Nützlichkeit eine untrennbare Verbindung eingehen, scheint jedenfalls ungebrochen zu sein. (vZ)

 

New Bauhaus Chicago
208 Seiten mit 183 Abbildungen in Farbe
Hirmer Verlag
ISBN: 978-3-7774-2938-0; 39,90 Euro

„Sowohl das in Deutschland 1919 gegründete Bauhaus als das ideell daran anknüpfende New Bauhaus und spätere Intitute of Design in Chicago, waren Orte der besonderen künstlerischen Ausbildung. Sie prägten den Zugang ganzer Generationen von Studierenden – von denen viele später selbst zu Lehrenden wurden – zu kreativem Schaffen“ stellen Herausgeberin Kristina Lowis und Sibylle Hoiman in ihrer Einleitung zu dem Katalogbuch zu der Ausstellung zum 80. Gründungsjahr des New Bauhaus in den USA fest. Denn dort prägten Lehrer, wie László Moholy-Nagy, György Kepes, gefolgt von Arthur Siegel, Harry Callahan und Aaron Siskind, einen freien Umgang mit dem Medium. Zum Auftakt des großen Bauhaus-Jubiläums 2019 blickt der reich bebilderte Band von beiden Seiten des Atlantiks auf 80 Jahre Photographie aus Chicago. Enthalten sind sowohl Highlights aus der Sammlung des Bauhaus-Archivs Berlin als auch die Akteure und Institutionen, die seit der Gründung des New Bauhaus in Chicago im Jahr 1937 die Photographie inspiriert und geschaffen, gesammelt und der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Das breite Spektrum der Abbildungen reicht von abstrakten Photogrammen und Materialexperimenten bis hin zu konzept- und prozessorientierten Werkreihen. Zeitgenössische Arbeiten aus Chicago runden das Bild ab und reflektieren die Bedeutung des Bauhaus-Gedankens für die Gegenwart. In ihrem einleitenden Aufsatz setzt sich Kristina Lowis mit den Besonderheiten und Konstanten der Photopraxis am New Bauhaus in Chicago auseinander und zeigt dabei, wie das Experiment zum System wurde. John Grimes schildert aus seiner Perspektive die Entwicklung des Photolehrprogramms am Institute of Design (ID). Galerist Stephen Daiter gewährt ungewohnte Einblicke in seine Arbeit mit Absolventen der Schule. Wie die Photographie des ID von der Schule ins Museum gelangte, vollzieht Elisabeth Siegel nach. Sibylle Hoiman zeigt als Pendant dazu auf, wie die Sammlung New Bauhaus im Berliner Bauhaus-Archiv zu bewerten ist, während Astrid Bär die Selbstdarstellung der Schule sowie die Rezeptionsgeschichte anhand der Schulbroschüren in dieser Sammlung untersucht. Der Band bildet den Auftakt zum großen Bauhaus-Jubiläum: 100 Jahre Bauhaus und 80 Jahre New Bauhaus. (vZ)
(Ausstellung: Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin, bis 5. März)

 

Mareike Stoll
ABC der Photographie

Verlag der Buchhandlung Walther König
ISBN 978-3-96098-281-4; 38 Euro

Im November 2015 wurde Mareike Stoll von der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) das Stipendium zur Erforschung des deutschsprachigen Photobuchs zuerkannt. Die Ergebnisse sind im vorliegenden Buch zusammengefasst.
Das Jahr 1928 ist ein besonderes in der deutschen Verlagslandschaft. Auf einen Schlag werden heute ikonische Photobücher veröffentlicht: August Sanders "Antlitz der Zeit", Karl Blossfeldts "Urformen der Kunst" und sowie Albert Renger-Patzschs "Die Welt ist schön" erscheinen binnen weniger Monate und rücken das Medium des Photobuchs in den Mittelpunkt der photographischen Avantgarde. ABC der Photographie untersucht die Gründe für die Entstehung des deutschsprachigen Photobuchs in dieser Zeit und analysiert die theoretischen, medienspezifischen, politischen und künstlerischen Kontexte. Trotz des regelrechten Booms an Photobüchern und zahlreicher Texte über Photobücher gibt es bisher keine Theorie des Photobuchs. ABC der Photographie skizziert eine solche Theorie, eine Schule des Sehens für Photobücher. Das Photobuch als Medium erzeugt formal einen Rahmen für die Photographie, verändert aber darüber hinaus die Wahrnehmung von Bildern eben durch die Berührung und durch das Erblättern der Sequenz, und kann so als „Schule des Sehens“ bezeichnet werden. ABC der Photographie ist auch eine solche Fibel, bedient sich ähnlicher photographischer, typographischer und pädagogischer Mittel wie sein Gegenstand und macht diese anschaulich und greifbar. Bis heute hat das Photobuch von seiner Faszination und Relevanz nichts eingebüßt.

 

Rundbrief Fotografie
Hg. Bildarchiv Foto Marburg
www.rundbrief-fotografie.de
Verlag Dr. Wolfgang Seidel
Jahresabo 75,20 Euro für DGPh-Mitglieder

Im Dezember 2017 ist das 96. Heft der Zeitschrift „Rundbrief Fotografie“ erschienen. In seinem einleitenden Essay (Rubrik: „Ein Bild“) analysiert Tom Gretton ein gedrucktes Bild, das unverkennbar auf einer Photographie beruht und in dessen Herstellung photographische Verfahren eine wesentliche Rolle spielten. In der Rubrik „Mediengeschichte“ beleuchtet Michalis Valaouris ein Cartes de visite-Album als Repräsentation eines wissenschaftlichen Beziehungsnetzes anhand einiger männlicher Porträts und einem Frauenporträt. Beschnitt und Montage zweier Abzüge in den Alben von Gerda Leo und Werner Rohde sind Gegenstand von Judith Riemer Betrachtungen. Und Marie-Louise Frank zieht neue Erkenntnisse aus restaurierten Objekten bei der Rückgewinnung photographischer Archivalien aus dem zerstörten Historischen Archiv der Stadt Köln gewonnen wurden. Bernd Stiegler (DGPh) berichtet zudem über eine Walker Evans-Ausstellung im Centre Pompodou in Paris.
Der Rundbrief Fotografie, herausgegeben vom Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (Prof. Dr. Hubert Locher (DGPh) und Dr. Christian Bracht), Redaktion (Leitung): Dr. Sonja Feßel (DGPh), erscheint vierteljährlich im Verlag Dr. Wolfgang Seidel (DGPh).

 

The Opéra Volume VI
208 Seiten, 151 farbige und 28 s/w Abbildungen, Englisch
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-0396-8; 38 Euro

Das Magazin für klassische und zeitgenössische Aktphotographie kehrt zurück mit einer lebendigen Zusammenstellung der schönsten Arbeiten aus dem Bereich der intimsten Form der Porträtphotographie. Bei der Auswahl der Werke war es Herausgeber Matthias Straub wichtig, eine Brücke zwischen der traditionellen Betrachtungsweise des menschlichen Körpers und neuen, ungewohnten Ansichten zu kuratieren. So finden sich in der aktuellen Ausgabe gleichwohl abstrakte Arbeiten wie auch sehr klassischen Körperstudien. Die bekannte Strukturierung des Magazins in die fünf Akte der Oper nach Gustav Freytag führen als inhaltlich-roter Faden durch die ausgewählten Photographien.