Aktuelle Bücher im April 2014

Reisenotizen
Barbara Klemm (DGPh)
- Photographien
Johann Wolfgang Goethe - Zeichnungen
204 Seiten mit 62 Photographien und 56 Zeichnungen
Hirmer-Verlag
ISBN 978-3-7774-2217-6; 29,90 Euro

Die hochdekorierte, bereits 1989 mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der DGPh ausgezeichnete  Photographin Barbara Klemm, die jahrzehntelang für die ‚Frankfurter Allgemeine Zeitung‘ an den Brennpunkten der Welt unterwegs war, kreuzte auch die Wege Goethes und photographierte Motive, die der Dichter gezeichnet hatte. In dem neuen, im Hirmer-Verlag, München, erschienenen Buch werden mehr als 60 Bilder der Photographin über 50 Grafiken Goethes gegenübergestellt und offenbaren trotz der künstlerischen Eigenarten beider Werkgruppen teilweise verblüffend ähnliche Sichtweisen. Die in dem Katalogbuch vorgestellten Zeichnungen Johann Wolfgang Goethes entstanden auf seinen zahlreichen Reisen und Wanderungen sowie während seines Alltags in Frankfurt und Weimar. Barbara Klemm ist mit ihrer Kamera in den letzten Jahren den Spuren Goethes gefolgt. Inspiriert von den Motiven des berühmten Vorbildes schuf sie für den vorliegenden Band neue Aufnahmen. Im Nebeneinander von Zeichnung und Photographie treten augenfällig Parallelen in der Bildauffassung zutage. Gleichzeitig stützt der Vergleich die ästhetischen Eigenheiten der beiden Medien, die jeweils auch als zeitgeschichtliche Dokumente wirkten und wirken. Wolfgang Holler beschreibt unter dem Titel „Das Da-Sein und das So-Sein der Dinge“ die Herangehensweise von früheren Redaktionsphotographin Barbara Klemm an das Thema Landschaft, während Hermann Mildenberger sich „Goethe als Zeichner“ widmet – beides fundierte Beschreibungen der jeweiligen Arbeitsweise. Die beiden Bildstrecken sind durch Zitate des Dichters ergänzt. (vZ)
(Ausstellung: Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg, noch bis 9. Juni)

 

Heidi und Hans-Jürgen Koch (DGPh)
Makrokosmos Honigbiene

80 Seiten mit etwa 70 Farbabbildungen
Dölling und Galitz Verlag
ISBN 978-3-86218-057-8; 19,90 Euro

Mit ihrem neuen Buch über die Honigbienen legen Heidi und Hans-Jürgen Koch, im Jahre 2011 mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) geehrtes Ehepaar, erneut ein hervorragend photographiertes Buch vor. Mit den überwältigend schönen und präzisen Bildern beweisen sie einmal mehr ihr Faible für das Leben in seinen unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Sie lassen den Betrachter abtauchen in eine fantastische Realwelt. Denn statistisch gesehen ist jeder dritte Bissen, der uns zwischen die Zähne kommt, das Ergebnis einer Bestäubung durch Bienen. Ohne den Transport von Blütenstaub durch Milliarden von Bienen droht eine globale Hungersnot. Das derzeitige erdumspannende Bienensterben hat also  auch unmittelbar Einfluss auf unser Überleben. Für die Bienen ist Teamwork, das perfekte Zusammenspiel von 60.000 Individuen in ihrem Staat, ausschlaggebend - ein Meisterwerk der Evolution. Dies und vieles andere zeigen Heidi und Hans-Jürgen Koch in dem beim Dölling und Galitz Verlag erschienenen Buch. Der Wissenschaftsjournalist Claus-Peter Lieckfeld liefert dazu in seinen Texten die notwendigen Hintergrundinformationen und erklärt, wie der Makrokosmos der Honigbiene funktioniert. (vZ)

 

KH. W. Steckelings (DGPh)
Pina Bausch backstage

184 Seiten
Nimbus. Kunst & Bücher
ISBN 978-3-907142-99-8; 36 Euro

Vor 40 Jahren – zur Spielzeit 1973/74 – übernahm Pina Bausch (1940-2009) die Tanzabteilung der Wuppertaler Bühnen und löste mit ihren Produktionen bald heftige Kontroversen aus. Wer klassisches Ballet erwartete, sah sich plötzlich mit einem theatralen Spiel konfrontiert, wobei die Tänzer auch sprachen, sangen, lachten und weinten. Das Publikum war gespalten: Die einen verließen Türe knallend die Vorstellung, die anderen waren hingerissen; in der Presse brach ein Sturm los. Mit ihrer Gruppe emanzipierte Pina Bausch den Tanz und machte aus ihm eine eigene, neue Form des Theaters. Dies war eine Revolution, die bald ein weltweites Echo hervorrief und den Tanz international neu definierte. Ein Zeuge der ersten Stunde war der Filmemacher und Fotograf KH. W. Steckelings. Pina Bausch lud ihn ein, ihre Compagnie bei den Proben und in den Pausen mit der Kamera zu begleiten. Steckelings tat dies mit größter Unauffälligkeit und intimer Empathie: Die Tänzer nahmen seine Anwesenheit augenscheinlich kaum wahr; nichts an seinen Aufnahmen wirkt irgendwie gestellt oder gekünstelt. Der Betrachter fühlt sich direkt hineinversetzt in den künstlerischen Prozess jener Anfangsjahre, als Pina Bausch und ihre Gruppe neue tänzerische Ausdrucksformen entwickelten. Mehr noch: Steckelings hatte seinerseits den Blick des Choreografen, der in den zufälligen Konstellationen der Übungsarbeit das Bild zu sehen vermochte. So sind seine Fotos mehr als nur Dokumente aus der Anfangszeit von Pina Bausch, sondern Werke von eigenem künstlerischem Rang – eine Entdeckung! Mit einem Vorwort von Salomon Bausch sowie einem Essay von Nora und Stefan Koldehoff.

 

Berthold Socha (DGPh) - gesehen fixiert
60 Seiten mit ca. 45 SW-Abbildungen
Verlag Thiekötter
ISBN 978-3-939838-34-0; 8 Euro

Dieser Katalog widmet sich einer photographischen Serie von Berthold Socha, in der er angeregt von den Skulpturausstellungen in Münster skulpturale Strukturen in Alltagssituationen sucht. Die Photographien werden durch das folgende Zitat aus dem Essay von H. Knirim gut beschrieben: “Der in der Auseinandersetzung mit modernen und aktuellen künstlerischen Positionen geschärfte Blick des Photographen lässt ihn im Alltag Raum- und Objektkonstellationen wahrnehmen, die durch seine Optik den Rang eines vom bildenden Künstler gestalteten Gefüges erhalten. Da weckt ein isolierter Schienenstrang - seiner ehemaligen Funktion verlustig geworden - Erinnerung an Arbeiten Walter de Marias, die verhüllte Parkuhr lässt zweifelsfrei an die frühen Verpackungen Christos denken, ….” und “Höchst geschickt lässt Socha in den Photos des Themenbereichs Skulptur die Realität der Gegenstände in einem nicht konkreten Gefüge einfrieren, ihre ursprünglichen Funktionen bleiben durchaus erkennbar, werden aber gerade durch die Ausschnitthaftigkeit des gewählten Bildes neu definiert als scheinbar künstlerische Gestaltung. Den vorgefundenen Konstellationen in der Natur, im trivialen Alltagsgeschehen, in der Dingwelt, verleiht Socha eine neue Konnotation, die Vermutung, es mit künstlerischer Urheberschaft zu tun zu haben. Und eben darauf beruht kreatives photographisches Gestalten.”
Der Katalog ist gut gestaltet, und die Bilder werden vertieft durch einen pointierten Essay von Dr. Helmut Knirim und ein Gespräch von Frau Dr. Weiler-Streichsbier mit dem Photographen. (DB)
(Ausstellung: Provinzial Versicherungszentrale, Münster, 13.03.-24.04.2014)

 

Arthur Conan Doyle
Spurensicherungen

Hrsg. Bernd Stiegler (DGPh)
344 Seiten
Wilhelm Fink Verlag
ISBN: 978-3-7705-5735-6; 39,90

Arthur Conan Doyles literarisches Werk beginnt und endet mit der Fotografie. Am Anfang, in den 1890er Jahren, steht ein Zyklus von einem Dutzend Essays zur Amateurfotografie, am Ende zahlreiche Publikationen zur spiritistischen Fotografie und zur Verteidigung vermeintlicher Elfenaufnahmen.
Heute kennt man Conan Doyle nur noch als Erfinder der Figur des Sherlock Holmes, der wie kein Anderer zum Sinnbild der detektivischen Spurensuche dank Indizien am Tatort wurde. Die Fotografie ist hingegen weit mehr als nur eine bildliche Spurensicherung. Das zeigt das weit gefächerte Werk Conan Doyles, in dem wie in keinem zweiten heterogene und sich eigentlich ausschließende Felder koexistieren. Wenn man seine Aufsätze zur Fotografie studiert, die in dieser Edition erstmals versammelt sind, so blättert man das fotografische Imaginarium der Jahrhundertwende auf. Conan Doyles Schriften zur Fotografie sind eine besondere Art der Erkundung des merkwürdigen, fremden, aber auch aufregenden Kontinents des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.
"photogramme" ist eine Reihe im Wilhelm Fink Verlag mit klassischen wie überraschenden Texten zur Theorie der Photographie. Neben hier erstmals erscheinenden Editionen bisher unbekannter Texte werden daher auch verstreut publizierte Texte wichtiger Autoren gesammelt und neu präsentiert. Demnächst erscheinen Bände mit den Texten zur Photographie von Alexander Rodcenko, Oliver Wendell Holmes, László Moholy-Nagy und August Strindberg.
 

 

Florence Henri
Compositionen

52 Seiten mit ca. 70 SW-Fotografien
Edition Pinakothek der Moderne
ISBN 978-3-9814578-8-9; 16 Euro

Das Buch präsentiert die Werkserien »Spiegelportraits 1928«, »PARIS 1928-1935«, »Akte 1930-1936«, »ROM 1931-1934«, »Portraits 1938« und das »Portfolio Florence Henri« 12 Fotografien, Edition (50 Exemplare) der Galerie Wilde Köln, 1974 mit einem Text von Klaus-Jürgen Sembach. Ergänzt wird das Buch durch den fundierten und sehr informativen Essay von Simone Förster zum stilistischen Werdegang und den unterschiedlichen Werkgruppen von Florence Henri. Das Interview mit Ann und Jürgen Wilde gibt Einblick in die Rezeption der Fotografin. Die Fotografien zeugen von unterschiedlichen Positionen der Avantgarde und die Wechselbeziehung zur Malerei. Die fotografischen Montagen von Florence Henri (Studium 1927-28) stehen im Kontext dieser stilistischen Position am Bauhaus und zeigen auch individuelle Aspekte. Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur künstlerischen Fotografie in Deutschland mit deren Wurzeln in der klassischen Moderne der Neuen Sachlichkeit und im Bauhaus.
Gerade im Lebenslauf von Florence Henri zeigt sich, dass Fotografie bereits in der Avantgarde der 20/30er Jahre ein gleichberechtigtes künstlerisches Medium war und damit die heutigen Diskurse zu dieser Frage eigentlich obsolet sind. Interessant vielmehr ist der dadurch initiierte Diskurs inwieweit auch die Fotografie wie die Malerei und Bildhauerkunst ihre geistigen Wurzeln in der klassischen Moderne hat. (DB)
(Ausstellung: Pinakothek der Moderne, München, 21.03.14 - 14.09.14)

 

Was war und was ist
Neue Arbeiten der Preisträger

212 Seiten mit ca. 180 Farb-Abbildungen
Museum Folkwang
ISBN 978-3-933249-32-6; 17 Euro

Die Kooperation der Wüstenrot Stiftung und des Folkwang Museums widmet sich der Thematik der Dokumentarfotografie, und wurde in den letzten Jahren von Ute Eskildsen geprägt. Das Buch zeigt aktuelle Arbeiten von StipendiatenInnen der vergangenen 20 Jahre und somit deren individuelle Entwicklung und gegenwärtige Arbeitsweise. In einer Jurierung wurde aus den eingereichten aktuellen Fotografieserien 17 Positionen für das Buch und die Ausstellung ausgewählt.     In dem Essay »Von der alten und der neuen Welt, von Distanz und Empathie« von Florian Ebner (DGPh) definiert er thematische und formal-strategische Kategorien: Historischen Prozessen und ihrem manifesten Erbe; das Bewegen zwischen den Kulturen z.B. bei der Arbeitsmigration; persönliche, existentielle Beziehungen und die Suche nach einer Erneuerung oder Erweiterung der Form, um die 17 Positionen in den Kontext der zeitgenössischen Dokumentarfotografie einzuordnen. Reinhard Matz beschäftigt sich in seinem Essay »Verändert die Digitalisierung der Fotografie dokumentarische Fotoarbeiten? Mit dem Einfluss der digitalen Technik auf die dokumentarische Fotografie unter Berücksichtigung der veränderten Distributionswege und -geschwindigkeiten und den Einfluss von Testimonial Photography auf den professionell-künstlerischen Ansatz. Er geht auch darauf ein, dass mittlerweile das Fotobuch das Medium der der künstlerischen Fotografie geworden ist indem auch die editorischen und konzeptuellen Ideen und Aspekte der Fotografen sichtbar werden. Damit ist stilistisch der Bogen zurück zur »Neuen Sachlichkeit« und der Fotografie der 1920-1930er Jahre geschlagen. Ein schön gestaltetes Fotobuch mit inspirierenden Fotoserien, und zugleich ein wichtiger Beitrag zur derzeitigen Diskussion der Stilentwicklungen in der Fotografie durch die interessanten Essays von Reinhard Matz und Florian Ebner. (DB)
(Ausstellung: Museum Folkwang, Essen, 08.03.-15.06.2014)

 

Mario Testino
Kate Moss

Mit über 100 Schwarzweiß- und Farbbildern
Taschen Verlag
ISBN 978-3-8365-5069-7; 29,99 Euro

Mario Testino, 1954 in Lima (Peru) geboren, gehört zu den wichtigsten Modephotographen seiner Generation. Doch seine Aufnahmen von Kate Moss gehen über die Welt der Mode weit hinaus. Sie sind Zeugnisse einer Freundschaft, die seit mehr als zwei Jahrzehnten währt. Seine Bilder geben Einblicke in das Leben und die Gedankenwelt zweier Persönlichkeiten, die die Vorstellung von Fashion und Glamour maßgeblich geprägt haben. Der neue, bei Taschen-Köln erschienene opulente Bildband ist auch eine Zeitreise durch eine der außergewöhnlichsten Freundschaften in der Welt der Mode – von den Anfängen hinter den Kulissen der großen Defilees bis zu den bahnbrechenden Modestrecken, die auch heute noch produziert werden. Viele der in dem Bildband gedruckten Aufnahmen stammen aus Mario Testinos Privatarchiv und werden zum ersten Mal veröffentlicht. Das Buch ist somit eine persönliche Hommage des Photographen an seine größte Muse: Ein junges Mädchen, das mit seiner Schönheit, seinem Humor und seinem Wesen dessen Herz eroberte und zu Bildern animierte, die die Phantasie vieler Menschen in aller Welt inspirierten. (vZ)

 

Candida Höfer
Düsseldorf

192 Seiten mit ca. 180 Farb- und SW-Abbildungen
Fey Verlag
ISBN 978-3-941263-56-7; 29,90 Euro

Dieses Buch widmet sich einer Thematik, die von der Photographin Candida Höfer seit ihrer Studienzeit bei Bernd Becher in Düsseldorf immer wieder bearbeitet wurde. Die 70 Arbeiten werden erstmals öffentlich präsentiert und in einem Buch zusammengefasst, zugleich ist es die erste Einzelausstellung in der Schweiz und in Österreich. Höfer gehört zur Düsseldorfer Schule, interessiert sich für Strukturen und Details, die sie in kühler Sachlichkeit abbildet. Besonders zu erwähnen sind in diesem Buch die Bildmotive aus ihrer ersten Fotoserie „Türken in Deutschland“ und der Deutschen Oper am Rhein, des Düsseldorfer Schauspielhauses, des Benrather Schlosses oder der Kirchen Sankt Andreas und Sankt Maximilian. Als Innenraumaufnahmen sind vertreten das Museum Kunstpalast, das Goethe-Museum, der Künstlerverein Malkasten und die Julia Stoschek Collection. In den aktuellen Arbeiten zeigen sich zunehmend Tendenzen der Abstraktion, so entsteht ein neuer, maßgeblich erweiterter Blick auf das Gesamtwerk Candida Höfers. (DB)
(Ausstellung: Landesgalerie Linz, 6.3.-25.5. 2014)

 

Guido Baselgia
Falllicht

144 Seiten, 79 Triplex- und 34 sw Abbildungen
Scheidegger & Spiess
ISBN 978-3-85881-420-3; 87 Euro

Guido Baselgia fotografierte in Norwegen, Feuerland, Ecuador und in den Schweizer Alpen Landschaften und Himmel im wechselnden Licht der Gestirne. Seine herausragenden Schwarz-Weiss-Fotografien, die sich zuweilen bis zur Gegenstandslosigkeit auflösen, zeigen Himmel, Gebirge, Ebenen, Küsten und Meere. Ob in der Dämmerung, in der Polarnacht oder in der Zeit der Tagundnachtgleiche: Baselgias Bilder machen auf einzigartige Weise Landschaften und Lichtphänomene sichtbar und führen den Lauf der Erde um die Sonne vor Augen. Dieser Bildband, der die exquisiten Barytabzüge des Fotografen originalgetreu zeigt, präsentiert die gesamte, seit 2006 entstandene Werkgruppe, begleitet von Texten von Andrea Gnam und Nadine Olonetzky.

 

Francisco Paco Carrascosa
Johnnie Walker on the beach

5 Bände à 528 Seiten im Schuber, 2640 Photos in Farbe
Deutsch/Englisch/Japanisch/Spanisch/Italienisch
ISBN     978-3-86984-361-2; 149 Euro

Die graue Fassade eines gesichtslosen Hauses, ein offenes Fenster, auf dem Balkon davor steht ein Mann im Bademantel und telefoniert. Mit diesem Bild, das im Oktober 2008 in Japan entstand, beginnt Francisco Paco Carrascosa sein mehrjähriges Fotoprojekt »Johnnie Walker on the beach«. Der Künstler und Fotograf (*1958 in Valencia) spürt darin Situationen auf, in denen sich Menschen unbeobachtet fühlen – Nischen des privaten, alltäglichen Raums in der Öffentlichkeit in verschiedenen Ländern. Entstanden sind Stillleben und narrative Bildserien: Menschen, Tiere, Dinge folgen einer chronologischen Ordnung, nach Orten und Jahreszeiten. Für den Fotografen eine Hommage an das »Beobachten des Beobachters« und an den Film »Blow-up«. Carrascosa spielt mit dem digitalen Zoom und der Auslösungsverzögerung seiner Consumer-Kamera, mit dem »blinden Moment«, und macht übersehene Momente sichtbar. Ein Blick auf die Privatsphäre, der sich vom Boulevardstil der Paparazzi oder dem Zurschaustellen in den sozialen Netzwerken signifikant unterscheidet.
Dieses fotografische Panoptikum füllt fünf sorgfältig gestaltete Bände, in kleiner Auflage gedruckt, nummeriert und vom Künstler signiert.

 

Daniela Comani
Eine glückliche Ehe

69 Seiten, 56 S/W-Abbildungen 16 Farbabbildungen
Edition Patrick Frey
ISBN: 978-3-905929-52-2; 38 Euro

Seit 2003 arbeitet die Künstlerin Daniela Comani an ihrem fotografischen Projekt Eine glückliche Ehe. Darin geht sie anhand der Repräsentation ihrer eigenen Person Rollen- und Geschlechterzuschreibungen nach und lässt das glückliche Ehepaar in Alltagssituationen schlüpfen. Daniela Comani ist ihr eigenes Modell, sie inszeniert sich in ihrer vielteiligen Fotoserie gleichzeitig als Mann und als Frau in einer modernen Intellektuellen-Ehe, in der Geschlechterverhältnisse keine Rolle mehr spielen sollten. Mimik, Gestik, Pose, Kleidung sprechen jedoch ihre eigene Sprache. Die Geschlechterposition Mann/Frau in Abhängigkeit von der heterosexuellen Paarkonstellation tritt derart irritierend auf, dass die Frage, wer wer ist und wer wen spielt, subtil-subversiv in sich zusammenfällt.

 

Christian Borchert
Familienporträts

112 Seiten mit 95 Duotone-Abbildungen
Lehmstedt Verlag
ISBN 978-3-942473-77-4; 19,90 Euro

Christian Borcherts legendäre Familienporträts sind oft ausgestellt, aber immer nur in schmaler Auswahl publiziert worden. Hier können sie erstmals im Zusammenhang betrachtet und studiert werden. Auf einzelne Fotografien aus den siebziger Jahren, die Borcherts wachsendes Interesse an Thema und Genre belegen, folgen Aufnahmen aus dem Jahr 1983, in dem der gewissenhafte Chronist mehr als 80 Familien in ihrem heimischen Umfeld porträtierte. Mimik, Gestik, Habitus, Kleidung, Ambiente sowie ergänzende Angaben zu den ausgeübten Berufen charakterisieren Familien unterschiedlichster sozialer Milieus und laden zu Vergleichen ein. 1993 besuchte Borchert viele Familien ein zweites Mal. Die Gegenüberstellung von Aufnahmen beider Serien beleuchtet nicht zuletzt die sozialen Veränderungen, die der Zusammenbruch der DDR mit sich brachte.

 

Göran Gnaudschun
Alexanderplatz

218 Seiten, 90 Farbabbildungen,
Fotohof edition
ISBN 978-3-902993-00-7; 39 Euro

Göran Gnaudschun fotografierte von 2010 bis 2013 die Szene auf dem Berliner Alexanderplatz, die aus Gestrandeten und Ausreißern besteht, aus Obdachlosen, Randexistenzen und Selbstdarstellern. Viele nehmen Drogen, alle trinken. Der Alexanderplatz ist für sie eine Art zu Hause. Sie entkommen so der Vereinsamung und holen sich ihren Teil Geborgenheit, wobei Zärtlichkeit und Gewalt eng beieinander liegen. Gnaudschun war vor Ort, baute Kontakte auf, um Portraits und situative Aufnahmen zu machen, um Interviews zu führen und Erlebtes in eigenen Texten zu verdichten.

 

Paolo Solari Bozzi
Namibia Sun Pictures

172 Seiten, 100 S/W-Triplex-Abbildungen
Tecklenborg Verlag
ISBN 13: 978-3-944327-07-5; 49 Euro

Die Bilder von Paolo Solari Bozzi spiegeln den Geist der namibischen Bevölkerung und die kolossalen Landschaften, von denen diese Menschen geprägt wurden, wider. Alle Bilder dieses Buches scheinen wie durch einen einzigen Herzschlag verbunden zu sein, während der Betrachter Zeuge der Veränderung dieses Volkes wird, das noch heute tief verwurzelt mit seinem Land ist und die alten Traditionen, die Jahrhunderte überdauert haben, pflegt. Dank seiner Liebe zu diesem Volk und seiner exzellenten Kenntnisse der fotografischen Technik gelingt es Paolo Solari Bozzi, ganz besondere Momente im Bild festzuhalten: das Lächeln und die Neugierde in den Augen der Kinder, die Fürsorge einer Mutter, den Stolz eines Mannes, die erhabene Schönheit der kargen Landschaft. Alles ist scheinbar unbeweglich, birgt aber tiefe Herzenswärme und Verstand. Sensibel und technisch perfekt hat der Fotograf die ruhige Eleganz der alltäglichen Lebensmomente in Namibia eingefangen.

 

Boris Friedewald
Meisterinnen des Lichts

Große Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten
240 Seiten mit 230 farbigen Abbildungen
Prestel
ISBN 978.3.7913.4673.1; 34,95 Euro

Frauen hinter der Kamera sind meist doppelt unsichtbar: Zum einen stehen stets ihre Motive im Fokus, zum anderen verdeckt der lange Schatten ihrer dominanten männlichen Kollegen oft die Größe ihres Werkes. Und doch ist die Geschichte der Photographie auch eine Geschichte der Photographinnen. Frauen eroberten sich dieses künstlerische Feld von Anfang an und trugen Wesentliches zu seiner Entwicklung bei. Der weibliche Blick auf die Welt ist ein anderer als der männliche – diese vermeintliche Binsenweisheit belegen die in diesem Band vereinten Photographinnen mit ihren Arbeiten auf vielfältige, berührende und faszinierende Weise. 55 Photographinnen aus zwei Jahrhunderten und von fünf Kontinenten werden porträtiert, darunter so berühmte Namen wie Eve Arnold, Claude Cahun, Cindy Sherman oder Herlinde Koelbl, aber auch bislang weniger bekannte Künstlerinnen wie Zanele Muholi aus Südafrika oder Shirana Shahbazi aus Teheran. Jede Photographin wird mit einem kenntnisreichen und zugleich leicht lesbaren Text zu ihrem Leben und Werk sowie zwei bis vier repräsentativen Abbildungen ihres Schaffens vorgestellt – eine Weltgeschichte der Photographie aus weiblicher Sicht.

 

Franz-Josef Sladeczek und Sandra Sykora:
After Collecting – Leitfaden für den Kunstnachlass

392 Seiten
rüffer & rub.
ISBN 978-3-907625-61-3; 35,20 Euro

Ein Künstler oder Sammler hinterlässt sein Lebenswerk – und nichts ist geregelt. Viele Erben sind mit dieser Situation überfordert. Sie können den Wert der Sammlung nicht ein- schätzen, kennen weder die rechtlichen Grundlagen noch die steuerlichen Konsequenzen und sind verunsichert, ob sie sich einer Galerie, einem Auktionshaus oder einem Mu- seum anvertrauen sollen.
Die Kunstweitergabe ist ein komplexes Unterfangen – nicht nur in kunsthistorischer, sondern auch in juristischer und vor allem in steuerrechtlicher Hinsicht. „After Collecting – Leitfaden für den Kunstnachlass“ ist das erste Buch, das sich allein diesem Thema widmet. Nicht nur Formen und Möglichkeiten des
Sammelns, sondern vor allem solche des „Entsammelns“ werden von Kunsthistoriker Franz- Josef Sladeczek und Juristin Sandra Sykora sowohl aus der Perspektive der Künstler und Sammler als auch aus jener der Erben diskutiert. Die Autoren bieten mit ihrem Buch Hilfestellungen für jeden, der sich mit Fragen um die sinnvolle Handhabung der Kunstweitergabe befasst. Interviews mit Experten machen den Leitfaden so nicht nur für Erben, Sammler und Künstler interessant, sondern auch für Mitarbeiter von Museen, für Galeristen, Kunstberater und Juristen, die mit Kunstsammlern oder ihren Erben zusammen- arbeiten.