Pepa Hristova

Pepa Hristova wurde 1977 in Sevlievo, Bulgarien geboren. Von 1999 bis 2006 studierte sie an der HWA Hamburg Kommunikationsdesign. Seit 2006 ist sie Junior-Mitglied der Berliner Photographen-Agentur Ostkreuz.

Ihre Arbeit „Sworn Virgins“ überzeugte vor allem durch ihre Wahrhaftigkeit und die ungewöhnliche Thematik sowie die sensible und stille Umsetzung. Das bewegende Photo-Essay handelt von albanischen Frauen, die aufgrund eines uralten Ritus in einer männlichen Identität leben, als geschworene Jungfrauen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Einige nehmen die Position verstorbener Brüder oder Väter ein. Andere entscheiden sich in einer archaischen Gesellschaft, in der Frauen traditionell eine untergeordnete Rolle spielen, bewusst für das privilegierte Leben in einer männlichen Rolle.

Solange der Schwur der ewigen Jungfrauenschaft eingehalten wird, akzeptiert die Gesellschaft dies. Diese so genannten Schwur-Jungfrauen, in der Landessprache „Burrnesha“ genannt, werden in den Familien geachtet und erhalten den Status von Männern. Sie leisten Männerarbeit, kleiden und verhalten sich wie Männer. Die „Sworn Virgins“ füllen ihre Rolle so perfekt aus, dass sie im Laufe der Zeit außerhalb der Familie nicht mehr als Frauen erkannt werden. Nicht nur ihre innere Einstellung ändert sich, auch ihre Physiognomie. Mit den Jahren geht die Frau in ihnen verloren. Diese Tradition ist das einzig bekannte Beispiel für einen institutionalisierten Geschlechter-Rollenwechsel in Europa. Von der Forschung wurde sie lange Zeit ignoriert.

Pepa Hristova sagt über ihre Arbeit und das Projekt: „Für mich ist diese Arbeit eine Fortsetzung meiner Beschäftigung mit den Wertvorstellungen und dem Identitätsbegriff in mir fremden, unbekannten Kulturen. In meiner künstlerischen Arbeit setze ich mich durchgängig mit Fragen der Identität auseinander. Als in Deutschland lebende Bulgarin beschäftigt mich insbesondere das Thema Identitätsverlust. Meine Arbeit konzentriert sich auf das Wesen und die Gefühlswelt der Abgebildeten, deren Befindlichkeit ich in meinen Bildern so darzustellen versuche, wie ich sie ganz subjektiv erlebe. Bewusst bewege ich mich mit meiner Photographie zwischen unterschiedlichen Genres. Momentaufnahmen wechseln sich ab mit lyrischen Inszenierungen. Beides aber findet statt vor einem politisch-sozialen Kontext, mit dem ich mich emotional auseinandersetze.“