Photo-Finishing: Erfahrungen aus der Restaurierungspraxis

Martin Jürgens (DGPh), Fotorestaurator MA

Der Fluch der Perfektion

Im zweiten Teil des Vortragsforums wurden Fragen des Photo-Finishings und der Drucktechnik behandelt. Martin Jürgens, Rijksmuseeum Amsterdam, beschrieb aus der Perspektive eines Restaurators anschaulich die Unterschiede zwischen klassischen Photoabzügen und modernen Präsentationsformen.

Moderne photographische Bilder zeichnen sich durch perfekte Oberflächen aus. Photos werden heute fast immer im Rechner optimiert, bevor sie ausbelichtet oder geprintet werden. Dahingegen mussten analog vergrößerte Bilder meistens von Hand einzeln retuschiert werden. Oft wurden auch ganze Bildteile quasi übermalt, um beispielsweise Bildstimmungen zu verändern. Diese Veränderungen sind durchaus sichtbar und machen es einem Restaurator leicht, beschädigte Oberflächen auszubessern, da der Gesamteindruck nicht zerstört wird.

Anders sieht es aus mit den modernen Bildpräsentationen. Die Oberflächen sind perfekt, selbst kleinste Beschädigungen sind sichtbar. Zudem hat der Trend zu großformatigen Bildern auch den Effekt, dass Bilder ein hohes Eigengewicht haben und schwer zu handhaben ist. Eigentlich eine banale Erkenntnis, aber als Resultat ergeben sich schnell Beschädigungen, die restaurativ fast nicht mehr zu beheben sind und das Bild praktisch zerstören, auch wenn sie nur einen winzigen Teil des Bildes betreffen. Dies gilt beispielsweise für Montagen hinter Acrylglas, bei denen ein Photo mit einer Klebefolie oder Silikongummi direkt auf dem Glas angebracht ist. Manche Materialien sind an sich sehr stabil, beispielesweise Aludibondplatten, die auch als Baustoffe Verwendung finden. Die Beschädigung einer Alu- oder Acrylglasplatte kann leicht an einer Ecke beim Absetzen auftreten, ist dann jedoch fast nicht mehr zu reparieren. Die Perfektion der photographischen Oberfläche ist ein Kennzeichen moderner Präsentationsformen. Selbst kleinste Störungen sind nicht tolerabel.

Die Innovationsgeschwindigkeit in der Photographie hat sich in den letzten Jahren verlangsamt. Daher stünde jetzt „Zeit für Besinnung“ zur Verfügung, so Jürgens. Beispielsweise würde gerade an einer Beispielssammlung analoger Bildverfahren gearbeitet, um das alte Know-how nicht zu verlieren. Zudem wäre es ausgesprochen wünschenswert, ein einheitliches Beschreibungsschema für die Arten zeitgenössischer photographischer Präsentationsformen zu entwickeln. Die verwendeten Bezeichnungen, wie „inkjet fine art print“ oder „digital chromogenic color print“, seien oft nicht wirklich deskriptiv sondern reines Wortgeklingel. Für einen Restaurator sei es jedoch wichtig, genau zu wissen, was er vor sich hat.